Gedankenspiel: Nur ein gemeinsames Mobilfunknetz - wodurch könnten sich die Provider noch unterscheiden?

derFlo

Mobilfunk Teilnehmer
Mrz 22, 2014
1.832
530
#1
Es wird langsam Zeit, dass der Gesetzgeber nationales Roaming zur Pflicht macht, denn seit es keine Pflicht mehr zur Herstellung klassischer Telefonanschlüsse mehr gibt, sind solche Versorgungslücken höchstproblematisch.
Ganz ehrlich: Ein anderer Provider, der besser funktioniert, kommt nicht in Frage?
Bei verpflichtendem National Roaming steige ich leider aus, weil dann haben Provider ja kaum mehr Unterscheidungsmerkmale.

Das wäre wie wenn der Spar in den eigenen Geschäften auch Produkte vom Billa führen muss, weil der Billa selbst keinen Standort in einer Region hat und es keine Verpflichtung zur Errichtung eines Supermarktes gibt.
 

telephon

Mobilfunk Teilnehmer
Nov 20, 2018
37
18
#2
Ganz ehrlich: Ein anderer Provider, der besser funktioniert, kommt nicht in Frage?
Bei verpflichtendem National Roaming steige ich leider aus, weil dann haben Provider ja kaum mehr Unterscheidungsmerkmale.
Das wäre wie wenn der Spar in den eigenen Geschäften auch Produkte vom Billa führen muss, weil der Billa selbst keinen Standort in einer Region hat und es keine Verpflichtung zur Errichtung eines Supermarktes gibt.
Hurra! Ein Supermarktvergleich: Digitale Kuhmilch der Eigenmarke... Wir sprechen von Frequenznutzung und Information, bestehend aus Bits, die mittels diverser Modulationsverfahren „durch den Äther geblasen“ werden.
Dem Betreiber eines Netzes und dem Lieferanten der Sendeanlagen ist es relativ egal, ob er eine Eigenmarke verkauft oder nicht, solange die Aktionäre einen positiven Cashflow sehen und der Markenwert erhalten bleibt.
Ob der Billa auf die Milch der NÖM nun Clever draufschreibt, oder der Lidl Alma, ist dem Konsumenten wurscht.

Der Sinn von öffentlichen Kommunikationsnetzen -und da insbesondere von Mobilfunknetzen- ist die flächendeckende Versorgung der Öffentlichkeit mit Kommunikationsdiensten.
Da die Universaldienstverordnung nicht mehr die einstige Bisskraft früherer Tage hat (Telefonzellen, ferngespeiste Telefonanschlüsse), haben Mobilfunknetze die Rolle der Kommunikationsversorgung auch im Katastrophenfall zugewiesen bekommen. Diese Rolle ist konterkariert, wenn Anbieter stellenweise eine Mehrfachversorgung vornehmen und stellenweise überhaupt keine Versorgung gewährleisten.

Mobilfunknetze sind zudem für mich keine ausschließlichen Breitbandnetze, denn Funk ist per se ein volatiles Medium und störanfällig (siehe auch Beitrag von Peter Schmidt, Deutsche Telekom am 35C3: https://www.heise.de/newsticker/mel...illern-und-Mobilfunkverstaerkern-4260020.html).

Breitbandversorgung hat daher selbstverständlich primär über dediziert nutzbare Medien zu erfolgen.

Unterscheidungsmerkmale bleiben den Mobilfunkern auch im Fall einer Netzzusammenlegung noch immer ausreichend: Die Vertragsgestaltung, die Selfcare-Tools, die Supportqualität und etwaige Value Added Services sind nur einige Beispiele. Alles andere ist Grundversorgung und hat in einer Weise reguliert zu sein, das mit schonendem Mitteleinsatz eine größtmögliche Zuverlässigkeit der Netze - respektive der „Roaming-Cloud“ - garantiert ist.
Bandbreitenregulierung ist auch im Roamingfall weiterhin möglich, und es würden sogar die Frequenzen in optimaler Weise genutzt. Nicht zu vergessen wäre auch das CO2-Einsparungspotential, wenn kombinierte Sendemasten ungenutzte Kapazitäten temporär auch tagsüber herunterfahren könnten. Ein weiterer Vorteil wäre, dass Empfehlungen der Ärztekammer zur EM-Exposition damit zugleich Rechnung getragen würde.

Solange der Staat aber Lizenznutzungsrechte bloß auf Zeit versteigert, was primär der Einnahmenpotenzierung des Fiskus und nicht dem nachhaltigen Netzaufbau dient, ist diese Idee illusorisch, denn die Betreiber würden sofort „Enteignung“ schreien. Ein anderes Konzept ist überfällig, denn am Ende der Digitalen Dividende - der Frequenzumwidmung - steht erneut Frequenzknappheit. Die technologischen Entwicklungen geraten auch irgendwann an eine naturgegebene Grenze, wie es etwa bei Computerprozessoren hinsichtlich des Moor' schen Gesetzes passiert. Derzeitige und kommende Technologien setzen auf neue Modulationsverfahren und die Kombination von Frequenzbereichen und die Ausnutzung von Wellenausbreitungseffekten. Dabei zeigt sich heute bereits - etwa bei den Bestrebungen, die auf eine Mitbenutzung des lizenzfreien 5GHz-Bandes abzielen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wenn mit 5G Mikro- und Nanozellen verstärkt Verbreitung finden werden, wird eine ähnliche Situation wie bei WLAN auf 2.4GHz - auf längere Sicht - unvermeidbar sein. Bahnbrechende Fortschritte bei Modulator-Schaltkreisen zeichnen sich momentan nicht ab. Der letzte große Sprung, der mit den kommenden 5G-Netzen Einzug halten wird, ist der Duplexbetrieb auf einem Kanal, wie ihn Intel auf dem MWC 2015 präsentiert hat (vgl https://www.elektormagazine.de/news/vollduplex-funk-intel). Dieses Verfahren zur teils rechnerischen Signaltrennung gepaar mit Eigendämpfung kostet aber wieder Energie...
 
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Gefällt mir: ocelot und bissfest

derFlo

Mobilfunk Teilnehmer
Mrz 22, 2014
1.832
530
#3
Hurra! Ein Supermarktvergleich: Digitale Kuhmilch der Eigenmarke... Wir sprechen von Frequenznutzung und Information, bestehend aus Bits, die mittels diverser Modulationsverfahren „durch den Äther geblasen“ werden.
Dann vergleichen wir eben nicht Dienstleistungen mit Produkten, sondern Dienstleistungen mit Dienstleistungen: Paketzustellung.
Ich persönlich würde es nicht in Ordnung finden, wenn die Post auch Pakete von DHL, UPS & Co. entgegennehmen muss, weil Konkurrenten gerade keine Filialen aufbauen können/wollen. Ein Unternehmen muss schon auch für eigene Infrastruktur sorgen oder hat einfach Pech.

Wenn an meinen Aufenthaltsorten nur ein Netz sinnvoll funktioniert, spricht nichts dagegen, dieses eine Netz zu nutzen.
Und um den Vergleich nochmal hervorzuholen: Der Spar ist näher an meiner Wohnung, als der Billa. Deswegen gehe ich halt auch zum Spar. Sollte es dort etwas nicht geben, kann ich noch immer zum Billa (oder sonstwohin gehen, soll keine Schleichwerbung für Spar/REWE sein).
Selbiges gilt fürs Netz: Ich nehme mir das Gesamtpaket (Preis/Abdeckung/etc.) und kann mir im Bedarfsfall noch immer eine zweite SIM-Karte eines anderen Netzes holen.

Und ganz im Ernst: Bei dir funktioniert offenbar ein Anbieter besser, als dein aktueller. Warum gehst du dort dann nicht hin? Da gibts offenbar keine generelle Versorgungslücke.

Ausnahmefall: Gegenden, in denen es aktuell keine Mobilfunkversorgung gibt (und davon gibt es doch ein paar). Dort wird ein Ausbau von 3 Netzprovidern separat wohl kaum Sinn machen (sonst würde es dort schon Versorgung geben).

Dem Betreiber eines Netzes und dem Lieferanten der Sendeanlagen ist es relativ egal, ob er eine Eigenmarke verkauft oder nicht, solange die Aktionäre einen positiven Cashflow sehen und der Markenwert erhalten bleibt.
Ob der Billa auf die Milch der NÖM nun Clever draufschreibt, oder der Lidl Alma, ist dem Konsumenten wurscht.
Dem Lieferanten der Sendeanlagen ist das verständlicherweise egal. Aber Investitionen in Netzabdeckung, gerade in Gebieten, die wohl nicht ganz rentabel sein werden, sind schon auch strategische Investitionen (Gesamtpaket). Macht der Supermarkt, der in einer ländlichen Gegend eine Filiale errichtet auch (wobei der zusperrt, wenn der Supermarkt nicht rentabel ist). Auch Lebensmittelversorgung ist ein Grundbedürfnis.
Auch wenn es die gleiche Milch ist, fahre ich nicht 3 Orte weiter, um die Milch zu kaufen, sondern gehe zum Supermarkt um die Ecke.

Da die Universaldienstverordnung nicht mehr die einstige Bisskraft früherer Tage hat (Telefonzellen, ferngespeiste Telefonanschlüsse), haben Mobilfunknetze die Rolle der Kommunikationsversorgung auch im Katastrophenfall zugewiesen bekommen. Diese Rolle ist konterkariert, wenn Anbieter stellenweise eine Mehrfachversorgung vornehmen und stellenweise überhaupt keine Versorgung gewährleisten.
Da stimme ich dir schon zu - ein reiner Telefonanschluss wäre auch für mich keine brauchbare Versorgung, ich würde schon zumindest gerne ein paar Mbit/s drüberbringen. Insofern ist die garantierte Telefonleitung (über die ich im ungünstigsten Fall ISDN zusammenbringe) auch keine Option.
Zu Gegenden ohne Versorgung: Siehe oben.

Breitbandversorgung hat daher selbstverständlich primär über dediziert nutzbare Medien zu erfolgen.
Volle Zustimmung. Dann brauche ich aber auch keine Universalversorgung per Funk, die dann alle nutzen dürfen.

Unterscheidungsmerkmale bleiben den Mobilfunkern auch im Fall einer Netzzusammenlegung noch immer ausreichend: Die Vertragsgestaltung, die Selfcare-Tools, die Supportqualität und etwaige Value Added Services sind nur einige Beispiele.
Da müssen sich unsere Mobilfunker aber noch etwas bemühen - ich sehe außer der Netzabdeckung, dem Preis (und eventuell der Anzahl an LTE-Roamingpartnern im Ausland) keine besonderen Unterschiede zwischen den Betreibern/MVNO, schon gar nicht im Service (außer es geht um den Business-Bereich, der ist zumindest bei A1 und T-Mobile gegen Münzeinwurf ziemlich gut - mit 3 habe ich keine Erfahrungen).

Alles andere ist Grundversorgung und hat in einer Weise reguliert zu sein, das mit schonendem Mitteleinsatz eine größtmögliche Zuverlässigkeit der Netze - respektive der „Roaming-Cloud“ - garantiert ist.
Bandbreitenregulierung ist auch im Roamingfall weiterhin möglich, und es würden sogar die Frequenzen in optimaler Weise genutzt. Nicht zu vergessen wäre auch das CO2-Einsparungspotential, wenn kombinierte Sendemasten ungenutzte Kapazitäten temporär auch tagsüber herunterfahren könnten. Ein weiterer Vorteil wäre, dass Empfehlungen der Ärztekammer zur EM-Exposition damit zugleich Rechnung getragen würde.
Stimmt schon - wenn es nur mehr einen Supermarkt, einen Paketzusteller, einen Hersteller von Mobiltelefonen, etc. gibt, dann gäbe es sicher enormes Einsparungspotential, was den CO2-Ausstoß angeht, weil alles viel effizienter genutzt wird - die Synergien wären definitiv vorhanden.
Ob das so wirklich gewollt ist, ist halt die andere Frage.

Solange der Staat aber Lizenznutzungsrechte bloß auf Zeit versteigert, was primär der Einnahmenpotenzierung des Fiskus und nicht dem nachhaltigen Netzaufbau dient, ist diese Idee illusorisch, denn die Betreiber würden sofort „Enteignung“ schreien. Ein anderes Konzept ist überfällig, denn am Ende der Digitalen Dividende - der Frequenzumwidmung - steht erneut Frequenzknappheit.
Ja, Ressourcenknappheit ist eine absolut normale Sache. Der Trend in Richtung Hybrid-Anschlüsse schreitet wohl auch deshalb schon voran. Wenns auch ein Kabel gibt, ist das wohl die wesentlich schonendere Variante (bezogen auf Mobilfunknetze), gerade wenn mobiles Internet nicht mobil genutzt wird.
Wobei: Irgendwann wenn wir alle über Gigabit-Anschlüsse via Glasfaser verfügen (also in Österreich frühestens im Jahr 2200), wird auch dort mal die Grenze des machbaren erreicht sein, weil jeder Endkundenanschluss schon die volle Bandbreite der Glasfaser ausnutzt.

Zu den Frequenznutzungsrechten: Ja, natürlich kosten Frequenzen etwas. Dass überhöhte Preise nicht wirklich zu Ausbaufreude führen, ist auch klar. Aber wie willst du ohne Kosten Frequenzen auf immer und ewig zuweisen? Auch Mobilfunker können sich durch Frequenzausstattung vom Mitbewerb abheben (müssen halt Geld in die Hand nehmen), sofern sie diese auch abstrahlen. Wie wäre es einem neuen Mitbewerber möglich, in den Markt einzutreten (außer acht gelassen, dass Österreich wohl aktuell kein wirklich interessantes Land dafür ist)?


FAZIT: Ich befürchte, dass diese Diskussion schon etwas weit vom Originalthema abkommt. Könnte uns @Admin die Posts in einen eigenen Thread verschieben? Das Thema und die Diskussion finde ich definitiv interessant.
 

telephon

Mobilfunk Teilnehmer
Nov 20, 2018
37
18
#4
Ich persönlich würde es nicht in Ordnung finden, wenn die Post auch Pakete von DHL, UPS & Co. entgegennehmen muss, weil Konkurrenten gerade keine Filialen aufbauen können/wollen. Ein Unternehmen muss schon auch für eigene Infrastruktur sorgen oder hat einfach Pech.
Interessanterweise hat die Post genau das bereits auf den Weg gebracht. Das Produkt heißt „AllesPost“. Geworben wird mit „Mein Paket. Meine Entscheidung - Mit AllesPost entscheiden Sie, wer Ihre Pakete zustellt.“ Nach der Testphase wird es zwar etwas kosten, aber OK, wenn dafür die Zustellverlässlichkeit passt. Die Zeit, die ich bisher unzuverlässigen Paketdiensten, deren unterbezahlte Mitarbeiter nicht einmal meine Sprache sprechen, nachtelefoniert habe, werde ich mir in Hinkunft sparen.

Noch eher als mit physischen Paketen könnte aber der Vergleich mit dem Strommarkt dienen.
Dennoch halte ich nichts von Vergleichen dieser Art. Wir sprechen nämlich von Funktechnologien, deren Qualität schon aus physikalischen Gründen Schwankungen unterliegt. Aber wie beim Strom gibt es nur einen Hauptanschluss - in dem Fall das im Rahmen der Regulationsvorgaben nutzbare EM-Spektrum. Beim Strom ist die Leitung bis zum Zähler die Domäne eines zumeist monopolistischen Netzanbieters. Die konsumierten Strommengen werden auf dem Papier gehandelt, die tatsächliche Versorgung nimmt andere Wege. Das ist gut, so, denn sonst müsste jeder Energielieferant eigene Leitungen bis in Deine Wohnung legen. Diese Situation habe wir aber im Grunde im Mobilfunkmarkt mit den für andere Netzbetreiber in aller Regel nicht nutzbaren Basisstationen. Wir sehen das nur nicht, weil es eben Funkwellen sind. Sichtbar wird es allenfalls am Antennenwald, der mit 5G stark wachsen wird. Zwar werden die Antennen kleiner, dafür werden es mehr. Der Nachteil dabei - Du hast ihn bereits angesprochen: Du kannst Dir zwar das beste Netz für daheim aussuchen, wenn Du dann aber zwischen Neulengbach und Stößing mit dem Auto eine Panne hast, und gerade dort „Dein Netz“ nicht funktioniert, wirst Du wahrscheinlich sehr schnell andere Töne anschlagen.
Zwei oder drei Handys oder ein Dual-Sim-Handy samt WK oder Vertrag besitzen zu müssen, nur um den Pannendienst rufen zu können, halte ich für unrealistisch. Auch mit eSIM wird das nicht klappen, weil ich den in der Notsituation nur buchen kann, wenn ich überhaupt gerade ein Netz habe.

Wenn Mobilfunknetze verlässliche, notruffähige Infrastruktur sein wollen, wird es auch zur Einhaltung von Grenzwerten unvermeidbar sein, in Zukunft nur noch MNVOs auf einem teilverstaatlichten Netz oder einer monopolistischen Genossenschaft zu haben. Man kann und muss das kritisch sehen, aber mit den richtigen Spielregeln kann und wird der Wettbewerb nach besser funktionieren als heute - mit mehr Leistung zu geringeren Kosten für die Konsumenten. Frequenzen sind schlicht die falsche Währung.

Und ja: ich hatte bis vor zwei Wochen einen anderen Anbieter. Jahre davor wieder einen anderen... und ich habe im Moment ein gewaltiges Déjavue. Der Grund, den Anbieter zu wechseln, war die Vertragsoption, wegen der Registrierungspflicht und den Kosten. Siehe anderer Thread.
 
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derFlo

Mobilfunk Teilnehmer
Mrz 22, 2014
1.832
530
#5
Nachdem es jetzt einen eigenen Thread gibt (Danke an den Admin"), hier meine Antwort dazu:

Interessanterweise hat die Post genau das bereits auf den Weg gebracht. Das Produkt heißt „AllesPost“. Geworben wird mit „Mein Paket. Meine Entscheidung - Mit AllesPost entscheiden Sie, wer Ihre Pakete zustellt.“ Nach der Testphase wird es zwar etwas kosten, aber OK, wenn dafür die Zustellverlässlichkeit passt. Die Zeit, die ich bisher unzuverlässigen Paketdiensten, deren unterbezahlte Mitarbeiter nicht einmal meine Sprache sprechen, nachtelefoniert habe, werde ich mir in Hinkunft sparen.
Da reden wir jetzt aber aneinander vorbei. Ich meinte eher, dass die Post gezwungen wird, auch Dienstleistungen von Mitbewerbern zu verkaufen, weil die Mitbewerber keinen Standort eröffnen wollen. Ich würde also zur Post gehen und sagen, dass ich gerne ein Paket via DHL verschicken möchte.
Natürlich wird das alles dann von der Post zugestellt, weil sich andere Anbieter doch eh durch Zusatzdienstleistungen (welche?) abheben können.

Noch eher als mit physischen Paketen könnte aber der Vergleich mit dem Strommarkt dienen.
Dennoch halte ich nichts von Vergleichen dieser Art. Wir sprechen nämlich von Funktechnologien, deren Qualität schon aus physikalischen Gründen Schwankungen unterliegt. Aber wie beim Strom gibt es nur einen Hauptanschluss - in dem Fall das im Rahmen der Regulationsvorgaben nutzbare EM-Spektrum. Beim Strom ist die Leitung bis zum Zähler die Domäne eines zumeist monopolistischen Netzanbieters. Die konsumierten Strommengen werden auf dem Papier gehandelt, die tatsächliche Versorgung nimmt andere Wege. Das ist gut, so, denn sonst müsste jeder Energielieferant eigene Leitungen bis in Deine Wohnung legen.
Mit einen Unterschied: Ein Ausbau von eigenen Leitungen wäre für zwei Stomnetzanbieter nicht finanzierbar - das ist es bei mobiler Telekommmunikation definitiv.
Aber ok - ich habe auch eine Telefonleitung und einen Kabel-TV-Anschluss in der Wohnung und bin definitiv froh, hier 2 Auswahlmöglichkeiten zu haben.

Der Nachteil dabei - Du hast ihn bereits angesprochen: Du kannst Dir zwar das beste Netz für daheim aussuchen, wenn Du dann aber zwischen Neulengbach und Stößing mit dem Auto eine Panne hast, und gerade dort „Dein Netz“ nicht funktioniert, wirst Du wahrscheinlich sehr schnell andere Töne anschlagen.
Zwei oder drei Handys oder ein Dual-Sim-Handy samt WK oder Vertrag besitzen zu müssen, nur um den Pannendienst rufen zu können, halte ich für unrealistisch. Auch mit eSIM wird das nicht klappen, weil ich den in der Notsituation nur buchen kann, wenn ich überhaupt gerade ein Netz habe.
Ähm ja, das wird es immer geben. Ist aber relativ egal, wo ich gerade eine Panne habe, ein Netz wär nicht schlecht. Zumindest Notrufe sind mal definitiv kein Problem, solange irgendein Netz Versorgung bietet. Deswegen jetzt mal einfach gleich den Netzanbietern den Alleinstellungsfaktor der Netzabdeckung zu nehmen, finde ich schon etwas zu viel des Guten.

Wenn Mobilfunknetze verlässliche, notruffähige Infrastruktur sein wollen, wird es auch zur Einhaltung von Grenzwerten unvermeidbar sein, in Zukunft nur noch MNVOs auf einem teilverstaatlichten Netz oder einer monopolistischen Genossenschaft zu haben. Man kann und muss das kritisch sehen, aber mit den richtigen Spielregeln kann und wird der Wettbewerb nach besser funktionieren als heute - mit mehr Leistung zu geringeren Kosten für die Konsumenten. Frequenzen sind schlicht die falsche Währung.
Wir hatten schonmal ein staatliches Infrastrukturmonopol (im Festnetzmarkt). Hat dazu geführt, dass zuerst horrende Preise verlangt wurden und das Unternehmen danach noch ordentlich ausgequetscht wurde. Darunter leidet Österreich noch immer, weil ein Ausbau der Infrastruktur um 5-10 Jahre später, als in anderen Ländern begonnen wurde.
Egal, welches staatliche Unternehmen ich mir ansehe, zu viel Staat hat nicht gerade zu unglaublich großem Erfolg geführt, sondern führt eher zu Postenschacherei, wenn jemand in der Politik nicht mehr gebraucht wird.

Und ja: ich hatte bis vor zwei Wochen einen anderen Anbieter. Jahre davor wieder einen anderen... und ich habe im Moment ein gewaltiges Déjavue. Der Grund, den Anbieter zu wechseln, war die Vertragsoption, wegen der Registrierungspflicht und den Kosten. Siehe anderer Thread.
Ja, aber wenn ich den Anbieter wechsle, darf ich mich nicht wundern, wenn der eine andere Netzabdeckung hat... Deswegen muss man doch nicht gleich alle Netzbetreiber vereinheitlichen wollen, nur um sich den eigenen Fehler nicht eingestehen zu müssen...
 

Gsicht

Mobilfunk Teilnehmer
Mrz 22, 2014
5.650
1.298
#6
Man kann auch nationales Roaming zum Ausbauanreiz ummünzen.
Beispiel: An Standort A hat nur ein Betreiber Y ein Netz. Kommt nun ein Kunde von einem anderen Betreiber X zu diesem Standort, kann er ganz normal seinen Tarif benutzen. X zahlt an Y aber Gebühren für die Nutzung, diese dürfen einfach nicht auf den Kunden umgelegt werden (kann die RTR vermutlich herbeizaubern). Wobei ich aber auch davon ausgehe, dass Inlands-Roaming-Kosten vom Kunden eher nicht akzeptiert werden.

Je nach Höhe der Kosten hat Betreiber Y nun einen Anreiz die Versorgung an Standort A zu verbessern.
 

alessio

Mobilfunk Teilnehmer
Jul 3, 2017
186
59
#8
Alle Handys hätten keinen SIM Lock mehr oder ?
Da SIM Lock is eh fia di Fisch (und isses imma gwesn). S'ned grad so, als ob man ned eh 12, 18, 24, 36 Monate bunden wär. Di SIM Lock Gschicht is a Augenauswischerei umd Kunden no mea zu bevormunden bzw. sich nachher no a Keabalgeld zmachen.
 
Gefällt mir: KOSH

KOSH

Mobilfunk Teilnehmer
Mrz 28, 2014
3.570
1.601
#9
Da SIM Lock is eh fia di Fisch (und isses imma gwesn). S'ned grad so, als ob man ned eh 12, 18, 24, 36 Monate bunden wär. Di SIM Lock Gschicht is a Augenauswischerei umd Kunden no mea zu bevormunden bzw. sich nachher no a Keabalgeld zmachen.
na daun kemm as jo no vurher teier verkaufen :)
 

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