Technische Umsetzung der Rufnummernportierung

Havelock

Mobilfunk Teilnehmer
18 Nov 2016
158
53
Ich frage mich schon länger, wie die Rufnummernportierung in Österreich technisch umgesetzt ist. Anscheinend suche ich aber nach den falschen Begriffen, da Google mir nur Beschreibungen über das deutsche System bringt.

Prinzipiell fallen mir da drei Lösungen ein (mit unterschiedlichen Vorteilen):

1. zentrale Datenbank, in der alle Nummern stehen. Die Vorwahl bestimmt dann nur mehr wer berechtigt ist die Nummer auszugeben. Vorteil: Portierungen sind übersichtlich und der originale Provider kann einem kein Haxl stellen. Nachteil: Viele Abfragen und irgendjemand muß die Datenbank führen. IIRC verwendet Deutschland dieses System.

2. Jeder Provider verwaltet "seine" Vorwahl(en). Bei einem Verbindungsaufbau zu einer portierten Nummer kommt "ist portiert zu Provider XY" zurück, also ähnlich wie ein CNAME-DNS-Record. Benötigt keine zentrale Instanz und verringert Abfragen, diskriminiert aber portierte Nummern.

3. In die zentrale Datenbank werden nur die portierten Nummern eingetragen. Abgefragt wird nur wenn der originale Provider "kenn ich nicht" liefert. Datenbank wird hier kleiner, aber der gleiche Nachteil wie bei 1. und 2. Klingt nach typisch österreichischer Lösung.
 

0rambo0

Mobilfunk Teilnehmer
30 Mrz 2014
1.110
404
Was ist denn dann der MNP Pool, wo alle drauf zugreifen?
 

neptunus

Mobilfunk Teilnehmer
25 Mrz 2014
1.769
818
Es gibt eine dezentrale Datenbank, die jeder der Betreiber redundant,
und man kann sagen offline, bei sich führt und hält.

Das wurde damals 2004 aufgrund des Misstrauens der Betreiber gegenüber einer verwundbaren ausfallkririschen einzigen Datenbank und gegenüber den anderen Betreibern die alle Änderungen durchführen könnten, eingeführt.

Bevor ich von einer großen Datenbank abhängig bin, die zudem von anderen geändert werden kann, mache ich es lieber selber.

Die Routing-Tabellen des Internets funktionieren auch nach diesem Prinzip. Und bei all den Berichten über Cyberangriffen und Ausfällen für Unternehmen, gleichzeitig dem immer stärkeren Kommen von Dezentralität (Kryptowährungen). Wer weiß, die Nummernübertragung war vielleicht eine der vorausschauendsten technischen Entscheidungen überhaupt.

Super Prinzip. Und vielleicht wird es künftig auch mal genauso umgesetzt.

Ich hatte selber erst ein Problem damit, iMessage war am Tag nach der Portierung nicht mehr aktivierbar.

Hab ein Ticket mit guter Dokumentation angelegt, woraufhin der Yesss Support das Problem binnen Stunden lösen konnte.
 

huihui

Mobilfunk Teilnehmer
19 Jun 2015
1.068
691
Wie werden da Änderungen eingepflegt?
Es gibt bestimmte Tage an denen in der Nacht portiert wird. Da tauschen dann die einzelnen Betreiber Dateien mit den aktuellen Portierungen aus und pflegen die der anderen Betreiber in der eigenen Datenbank ein. Deswegen kanns manchmal ein bisschen Dauern, dass man aus jedem Netz wieder korrekt erreichbar ist
 

Havelock

Mobilfunk Teilnehmer
18 Nov 2016
158
53
Was ist dann von der Sicherheit her grundsätzlich anders als bei der zentralen Datenbank? Kann hier nicht auch jeder alles editieren?

Außerdem: Stehen in den dezentralen Datenbanken nur portierte oder alle Rufnummern drin?
 

neptunus

Mobilfunk Teilnehmer
25 Mrz 2014
1.769
818
Ein zentraler Dienst fällt aus und er ist weg. Bei einem dezentralen Segment sind bei einem Ausfall nur die Kunden innerhalb dieses Segments betroffen.

Im Verzeichnis werden nur die sortierten Nummern geführt, also nicht die gesamten.

Bei einem Verbindungsaufbau schaut das dann so aus, Beispiel: Anruf zu 0664 xxxx:
1. Dein Anbieter sieht in seiner eigenen Portierungstabelle nach, ob deine Zielnummer 0664 xxxx eingetragen ist.
2a. Nummer ist vorhanden: Auslesen des Betreibers (zB Spusu) und Gespräch in das Netz von Spusu weiter aufbauen
2b. Nummer nicht vorhanden: Zielnetz wird anhand der Standard-Regeln aufgrund der Vorwahl ermittelt. 0664 = A1: Das Gespräch wird in das Netz von A1 weiter aufgebaut

Klappen die Schritte oben, landet das Gespräch beim richtigen Betreiber, in dessen Netz sich die Zielnummer tatsächlich befindet. Der Betreiber kann die Verbindung dann weiter aufbauen, zum Anschluss/Gerät das tatsächlich zur Nummer gehört.

Das sind viele technische Vorgänge. Am Ende hört ein Anrufer dann das Läuten in seinem Gerät und das Gesprächspartner nimmt hoffentlich ab.
 

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