Energiesparmaßnahmen der Netzbetreiber reduzieren teilweise Bandbreite, RTR will mit Betreibern reden

Energiesparen und Umweltschutz ist eines der größten Themen unserer Zeit. Dieses Thema macht auch vor der Telekommunikation nicht halt. Alle drei österreichischen Netzbetreiber haben sich ambitionierte Ziele zur Reduktion von CO2-Emissionen gesetzt. Um dies zu erreichen, nutzen die Mobilfunknetzbetreiber verschiedene Ansätze, unter anderem:

  • Photovoltaik-Anlagen zur Stromversorgung von Mobilfunksender
  • Optimierung der Kühlsysteme auf hohe Effizienz
  • sowie weitere Optimierungen des Mobilfunknetzes
Mobilfunksender

Unter den letzten Punkt fällt jedoch auch eine nicht gänzlich unumstrittene Maßnahme: Das Deaktivieren einzelner Frequenzbänder bei geringer Auslastung (meist in den Nachtstunden). Was auf den ersten Blick nach einer sinnvollen Maßnahme klingen mag, kann jedoch auch unbeabsichtigte Auswirkungen haben.

Alle Anbieter deaktivieren Frequenzbänder zum Energiesparen

Auf Anfrage von LTEForum.at haben alle drei österreichische Netzbetreiber A1, Magenta und Drei bestätigt, dass sie Sendemasten zum Teil temporär deaktivieren, um Energie zu sparen. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Mobilfunksender, der im Normalbetrieb mit drei Antennen auf drei verschiedenen Frequenzen sendet, nur mehr eine dieser drei Antennen und damit einhergehend nur mehr eines der drei Frequenzbänder nutzt. Die anderen beiden werden deaktiviert, um Energie zu sparen. Dies passiert in Zeiten geringer Auslastung, also meist nachts oder in abgelegenere Regionen ohne viel Nutzung.

A1 Telekom Austria

Aus diesem Grund kann es vorkommen, dass bestimmte Zellen bzw. Frequenzen während niedriger Netzauslastung inaktiv werden. Durch die Layersteuerung ist aber immer eine Netzverfügbarkeit gegeben. – A1 Telekom Austria

Magenta Logo

Es gibt Maßnahmen zur Energieeffizienz in den Nachtstunden. Der Energieverbrauch wird sogar dauerhaft überwacht und optimiert. So werden etwa nachts nicht-erforderliche Kapazitäten in einen „Sleep“-Modus gesetzt und sind bei Kundenanforderung automatisch wieder verfügbar. – Magenta (T-Mobile Austria)

Alle österreichischen Netzbetreiber betonen im selben Atemzug jedoch auch, dass dabei die Versorgungssicherheit weiter gewährleistet bleibt und man negative Auswirkungen auf die Kunden möglichst vermeiden möchte. Der Anbieter Drei formuliert das beispielsweise so:

Drei Logo

Dabei ist es wesentlich, eine negative Auswirkung auf die Servicequalität für unsere Mobilfunkkunden zu vermeiden. – Hutchison Drei Austria

Leidet durch diese Maßnahmen die Bandbreite?

Während für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit theoretisch auch ein einzelnes Frequenzband ausreichend ist, kann eine solche Maßnahme aber trotzdem Auswirkungen auf die maximal erzielbare Bandbreite der Kunden haben.

Moderne Smartphones und Router unterstützten und nutzen längst LTE-Advanced mit Carrier Aggregation. Dabei werden mehrere Frequenzen parallel genutzt, um die Bandbreite zu erhöhen. Dies passiert automatisch ohne Zutun des Kunden und ist bereits gängige Praxis im Alltag und ein entscheidender Faktor, warum die Mobilfunknetze in den letzten Jahren schneller wurden. Aktuell verfügbare LTE-Tarif mit bis zu 300 Mbit/s wären ohne Carrier Aggregation gar nicht erreichbar.

Sollten nun aber durch den Energiesparmodus einige Frequenzen deaktiviert werden, führt dies unter Umständen dazu, dass kein LTE-Advanced mehr verfügbar ist und die maximal erzielbare Bandbreite merklich sinkt. Das theoretische tarifliche Maximum wäre dann in einigen Situation gar nicht mehr erreichbar.

Rückgang der Download-Bandbreite bemerkbar

Dies dürfte in der Praxis vor allem nachts bemerkbar sein, wie mehrere User von LTEForum.at berichteten:

Im Homeoffice wurde es später und kurz nach 1 Uhr Nachts war CA wie üblich weg…. Wollte es wieder verbinden da Uploads liefen und die dann sehr langsam gingen. – LTEForum.at User „Kremser“ (Quelle)

Ca. 01:00h Nachts verlieren meine Router LTE+. Geschwindigkeit geht dann von 80/20 auf ca. 45/5 runter. – LTEForum.at User „EJK“ (Quelle)

Soeben auch beobachtet. wie immer, täglich um 01:05h hab ich einen Einbruch von mindestens 2/3 des regulären Durchsatzes. Band B3 komplett weg, nur noch B20. – LTEForum.at User „jo_strasser“ (Quelle)

Die Diskussion zum Thema Energiesparen bei A1 umfasst mittlerweile über 460 Antworten mit vielen zum Teil verärgerten Kundenberichte über nächtliche Geschwindigkeitseinbrüche.

Deaktivierung von Carrier Aggregation kann zu Problemen führen

Ein weiteres Problem dürfte sein, dass nicht alle aktuell angebotenen Router-Modelle mit dem temporären Ausfall einzelner Frequenzbänder richtig umgehen können. Verliert ein solcher Mobilfunkrouter die Verbindung zu einem Frequenzband, deaktivieren er es, kommt es später wieder hinzu, bereitet dies manche Routern Probleme die neuen Bänder wieder automatisch zu aktivieren.

Auch wenn am nächsten Morgen der Energiesparmodus deaktiviert wird und das Frequenzband somit wieder zur Verfügung steht, sind nicht alle Router in der Lage Carrier Aggregation wieder automatisch zu aktivieren. Sprich, sie bleiben bei dem einzelnen LTE-Band und der damit verbundenen niedrigeren Geschwindigkeit:

Am nächsten Morgen hängt das Modem fix auf Band 20, CA ist deaktiviert und wird nicht mehr zugeschalten –> die Bandbreiten sind entsprechend gering. – LTEForum User „berni456“ (Quelle)

Die Schuld trifft hier zwar nicht die Netzbetreiber, sondern die Router-Hersteller, aber schlussendlich verkaufen die Netzanbieter diese Router ihren Kunden, welche wohl davon ausgehen, dass diese auch reibungslos mit dem Netz des jeweiligen Anbieters funktionieren.

Netzbetreiber hoffen auf Stromersparnis durch 5G

Die Hoffnung beruht auf der nächsten Mobilfunkgeneration 5G, welche verglichen mit LTE bei gleicher Leistung weniger Strom verbrauchen soll.

Generell brauchen neue Mobilfunkgenerationen wie 5G weniger Energie pro übertragener Datenmenge. – Hutchison Drei Austria

Damit dies zu signifikanten Einsparungen beim Energieverbrauch führen kann, müssten die Netzbetreiber ihre 5G-Netze für alle Kunden öffnen, was bis jetzt noch nicht der Fall ist. Im Moment wird 5G noch als „Premium-Feature“ beworben, dass nur den teureren Tarifen vorbehalten ist.

Weder Versorgung noch Bandbreite darf einschränken werden

RTR - Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH

Doch was sagt eigentlich die Regulierungsstelle zu diesem Thema. Die Redaktion von LTEForum.at hat bei der RTR nachgefragt:

Maßnahmen zur Reduktion von CO2 werden begrüßt, wobei es jedoch weder zu einer Einschränkung der Versorgung in der Fläche noch der (wahrgenommenen) Bandbreite kommen sollte. – RTR (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH)

Doch was, wenn, wie berichtet, einige Nutzer eine Reduzierung in der Bandbreite wahrnehmen:

Konkret bedeutet das, sofern eine solche Leistungsverminderung durch den Betreiber nicht explizit vertraglich vereinbart ist – was in den meisten Fällen nicht der Fall sein dürfte – ist sie grundsätzlich entgegen den gegebenen Leistungszusagen und daher vertragswidrig. Eine rechtliche Grundlage, die zu einer solchen einseitigen Leistungsbeschränkung berechtigen würde, gibt es derzeit nicht. – RTR (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH)

Zum Nachweis sollten betroffene Kunden zertifizierte Messungen über den RTR-Netztest sammeln:

Wird die Leistung nicht vertragskonform erbracht, so kann ein Nachweis auch über die zertifizierte Messung des RTR Netztests erfolgen. – RTR (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH)

RTR möchte Gespräche mit Netzbetreiber führen

Die RTR zeigt sich sehr interessiert zu diesem Thema und möchte in den nächsten Wochen Gespräche mit den österreichischen Netzbetreibern führen:

Um einen besseren Überblick über Maßnahmen der Betreiber in puncto CO2-Reduktion und Nachhaltigkeitsziele zu erhalten und die Auswirkungen einzelner Maßnahmen auf Qualitäten von Diensten (Endkunden- und Vorleistungsebene), Verfügbarkeiten und Netze zu erhalten, führt die RTR in den nächsten Wochen Gespräche mit den Betreibern. Wir erwarten uns von diesen Gesprächen weitere Impulse, die sich aber nur im Rahmen der derzeit gegebenen rechtlichen Möglichkeiten bewegen können. – RTR (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH)

Das Thema bleibt spannend und es ist davon auszugehen, dass Diskussionen zum Klimaschutz auch im Telekommunikationssektor immer mehr an Bedeutung gewinnen werden.

Ergänzung 23.6.: Magenta hat noch konkretisiert, wie sich der Energiesparmodus in Zusammenhang mit der Bündelung mehrere Frequenzkanäle bei LTE Carrier Aggregation (LTE-CA) verhaltet:

Der Sleep-Modus würde auch bei einer LTE-CA Anfrage vom Endgerät des Kunden beendet werden und auf volle Leistung mit CA gehen. Wir haben das ganze Energieeffizienz-System bereits seit 2018 im Einsatz. Den Kunden entstehen keine Nachteile, keine Beeinträchtigung der Bandbreite. 

Und gleichzeitig betont, dass sobald sich Kunden oder Endgeräte mit der Mobilfunkzelle verbinden, die volle Leistung sofort wieder verfügbar sei. Das dürfte bei Magenta bereits ab dem ersten Kunden/Endgerät der Fall sein.

21 Januar 2015
3.418
1.153
Wie entspannt hat man es da in ländlichen Gebieten. Da gibt es keine mehren Frequenzbänder. Was nicht vorhanden ist kann auch nicht weggeschaltet werden.
 
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Reaktionen: learjet und Olli
25 März 2014
7.109
5.081
Naja ich denke es wird wieder bei dem Thema auf das Rauslaufen -> RTR wird bei Bedarf eine Sokü einfordern bei den Providern -> Provider finden das als akzeptable Lösung -> RTR wäscht ihre Hände in Unschuld / Nicht-Zuständigkeit

Es bleibt ein Vertragsbruch seitens der Provider die ebenfalls, wie A1, einen unlauteren Wettbewerb machen (CO2-Neutrales Netz; A1 Kundinnen und Kunden können so im Netz von A1 mit gutem Gewissen CO2-neutral telefonieren, surfen und fernsehen. ). Dies gehört sanktioniert mit Vertragspönalen seitens der Provider an die Endkunden, alles andere ist nur ein weiterer Kniefall im Mobilfunk-Privilegienstadl Leistungen schmälern zu dürfen.
 
22 Januar 2020
1.345
652
Eigentlich ja eine riesen Schweinerei, bei mir Zuhause fällt es nicht auf da eh nur B20 geht. Ich werde das mal bei Magenta beobachten da teilweise auch B1 und B3 reinkommen im oberen Stockwerk.

Was mich viel ehenter wundert ist das tagsüber die Datenraten dann so hoch sind, oftmals stehen die Racks mitten im Freien ohne wirkliche Kühlung durch Klimaanlagen. Das wundert mich viel mehr das da die Performance nicht gedrosselt wird, teilweise haben wir ja jetzt aktuell 35-36 Grad draussen und die Kästen stehen unter einem kleinen Dach was zwar Schatten ergibt und es darunter sicher kühler ist trotzdem verwunderlich etwas.

Seitens uns muss da Druck ausgeübt werden. Viele laden ja gerade dann Spiele runter über Nacht da ein Spiel oft 100GB oder mehr hat. Dann ist es umso ärgerlicher das es nachts dann nicht ordentlich geht.

LG
 
25 März 2014
7.109
5.081
Eigentlich ja eine riesen Schweinerei,
Das ist eigentlich untertrieben. Provider werben mit Fantasiezahlen, wo man von Haus aus weiß wird man nicht dauerhaft erreichen. In der Zeit wo man vielleicht annähernd die beworbene Bandbreite bekommt, schaltet man die Kapazitäten ab.
Der nächste Schritt wäre dann LTE 900 überall bereitzustellen mit 5 mhz und dann alle anderen Frequenzen abzuschalten, für den Deckmantel Klima. Die Lösung ist dann immer die Sokü was man so bekommt.
Da steckt auch ein gewisses Kalkül dahinter, weil man sowieso weiß oft kann man nicht aus besonders am Land.
 
22 Januar 2020
1.345
652
Das ist eigentlich untertrieben. Provider werben mit Fantasiezahlen, wo man von Haus aus weiß wird man nicht dauerhaft erreichen. In der Zeit wo man vielleicht annähernd die beworbene Bandbreite bekommt, schaltet man die Kapazitäten ab.
Der nächste Schritt wäre dann LTE 900 überall bereitzustellen mit 5 mhz und dann alle anderen Frequenzen abzuschalten, für den Deckmantel Klima. Die Lösung ist dann immer die Sokü was man so bekommt.
Da steckt auch ein gewisses Kalkül dahinter, weil man sowieso weiß oft kann man nicht aus besonders am Land.

Bei A1 sind diese Fantasiezahlen aber garnicht so Fantasie in 150 er Gebieten erreicht man mit B3 oft 200mbit und es ist nur als 150 ausgepriesen und in 300 er Gebieten erreiche ich auch oft die 300-350 sogar. Wenn 5MHz B8 kommt dann Gute Nacht. Bandbreiten um die 10 Megabit/s und 100% Auslastung der Sender.

LG
 
25 März 2014
7.109
5.081
Bei A1 sind diese Fantasiezahlen aber garnicht so Fantasie in 150 er Gebieten erreicht man mit B3 oft 200mbit und es ist nur als 150 ausgepriesen und in 300 er Gebieten erreiche ich auch oft die 300-350 sogar.
Kann ich dir Gebiete zeigen wo 30 mbit das Maximum sind bei 150 mbit ausgewiesen. Sowas findet man recht leicht sobald im Breitbandatlas ein Ausbaugebiet deklariert wurde.
 
25 März 2014
904
699
Wäre sowas eigentlich auch bei Festnetzinternetanbietern eine Möglichkeit relevant Strom zu sparen? Also in der Nacht einfach drosseln? Oder würde sich daraus eh keine relevanten Einsparungen entstehen?
 
1 Januar 2015
2.921
983
Das ist eigentlich untertrieben. Provider werben mit Fantasiezahlen, wo man von Haus aus weiß wird man nicht dauerhaft erreichen. In der Zeit wo man vielleicht annähernd die beworbene Bandbreite bekommt, schaltet man die Kapazitäten ab.
Der nächste Schritt wäre dann LTE 900 überall bereitzustellen mit 5 mhz und dann alle anderen Frequenzen abzuschalten, für den Deckmantel Klima. Die Lösung ist dann immer die Sokü was man so bekommt.
Da steckt auch ein gewisses Kalkül dahinter, weil man sowieso weiß oft kann man nicht aus besonders am Land.
Oder die ganzen 900er Frequenzen für 3G benutzen und Band 1 ganz für 4G oder gleich 5G nutzen.