Home Box Fiber: Schneller Router, kaum Einstellungen

Magenta DOCSIS 3.1 Kabel Router

Die neue Magenta Home Box Fiber (Technicolor CGA4336) löst die bisherige Magenta Fiber Box 2 (Arris TG3492) sowie die klassische Connect Box bei den kabelgebundenen gigakraft-Internettarifen ab und verspricht Geschwindigkeitsvorteile dank schnellerem 2,5 Gbit/s LAN-Anschluss und dem neuen Wifi 6 Standard mit 4×4 MIMO. Wir testen, wie gut sich der neue DOCSIS 3.1 Kabelrouter in der Praxis schlägt.

Der Router im Detail

Die Hardware-Specs lesen sich beeindruckend und überzeugen auch in der Praxis. Direkt neben der Home Box Fiber konnten wir mit einem Wifi 6 Endgerät (welches gar nur 2×2 MIMO unterstützt) gar bis zu 790 Mbit/s im Download gemessen werden. Sobald man sich etwas vom Router weg bewegt, geht die Bandbreite natürlich zurück. Trotzdem zeigen sich die Vorteile gegenüber einem Wifi 5 Router.

Magenta Fiber Box 2Magenta Home Box Fiber
Arris TG3492Technicolor CGA4336DTA1
Wifi 5 (WLAN 802.11a/b/g/n/ac) 4×4 MIMOWifi 6 (WLAN 802.11a/b/g/n/ac/ax) 4×4 MIMO
4x Gigabit LAN1 x 2,5-Gigabit-LAN
3x Gigabit LAN
Abmessungen: 22,2 x 6,2 x 18 cmAbmessungen: 21 x 9,6 x 12 cm

Auf der Vorderseite bietet der Router Status-LEDs für Strom, Internet, Telefon und WLAN sowie zwei Tasten für WLAN und WPS. Auf der Rückseite finden sich 4x Gigabit LAN Ports, wovon einer auch 2,5 Gbit/s unterstützt, zwei Telefonanschlüsse, der Coax-Kabel-Anschluss, ein USB 3.0 USB-Anschluss und der Anschluss für das Netzteil sowie ein physischer Ein/Aus-Schalter.

Magenta Home Box Fiber (Technicolor CGA4336)

In der Verpackung befindet sich neben dem Router ein Netzteil, LAN-Kabel und ein Koaxialkabel zum Anschluss an den Kabelanschluss. Als Anleitung liegt ein Zettel mit Verwies auf die Mein Magenta App bei. Der Router selbst ähnelt dem klassischen Design der Magenta Connect Box, kommt jedoch in schwarzer Farbgebung daher.

Setup & Einrichtung

Die Einrichtung geht schnell. Sobald der Router erstmalig angeschlossen wurde, sollte die Aktivierung binnen 30 Minuten abgeschlossen sein. Geräte können sich ab diesem Zeitpunkt mit dem Standard-WLAN-Passwort (auf der Unterseite des Geräts zu finden) mit der Home Box Fiber verbinden und lossurfen.

Fortgeschrittene Nutzer werden aber wohl an der Konfiguration des Routers verzweifeln. Begriffe wie Firewall-Einstellungen, Port-Weiterleitungen, Bridge-Modus, usw. sind leider Fremdwörter für die Magenta Home Box Fiber.

Alle Versuche, die Web-Oberfläche des Routers unter der IP-Adresse 192.168.0.1 aufzurufen, scheitern ganz einfach daran, dass die Home Box Fiber gar kein Webinterface bietet. Die Konfiguration kann einzig und allein nur über die Mein Magenta App erfolgen.

App-Zwang ohne Konfigurationsmöglichkeiten

Damit man überhaupt zum Einstellungsmenü gelangt, muss man zuerst in den Datenschutzbestimmungen den Fernzugriff von Magenta akzeptieren:

„Um dieses Service zu ermöglichen, müssen Daten Ihres Routers gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden. Außerdem müssen Magenta Systeme eine Verbindung mit Ihrem Router herstellen, um die Einstellungen, welche Sie in der App vorgenommen haben, zu aktualisieren / zu ändern und/oder die Kontinuität des Dienstes zu gewährleisten.“ – Mein Magenta App

Möchte man das nicht, lassen sich auch keine Einstellungen vornehmen. Akzeptiert man diese Datenschutzhinweise, öffnen sich die Konfigurationsmöglichkeiten der App. Diese beschränken sich jedoch auf die Änderung der WLAN SSD oder des WLAN Passworts sowie die Aktivierung eines optional erhältlichen Mesh-Geräts.

Wichtige Basis-Einstellungen, wie man sie noch vom Vorgänger-Modell kennt, fehlen hier komplett. Firewall-Konfigurationen, Port-Freigaben oder Port-Weiterleitungen sucht man hier vergeblich.

Gefährliche Passwortänderung

Den Umstand, dass sich die Router-Oberfläche vorrangig an Einsteiger orientiert, erkennt man auch daran, dass der Bereich zum Ändern des Passworts als „Danger Zone“ bezeichnet und mit Warnhinweisen versehen wird. Ideal für IT-Anfänger. Aber fraglich, wie das zur eigentlichen Zielgruppe von schnellen Gigabit-Internet- und Gaming-Tarifen passt.

Passwortänderung "Danger Zone"

Fazit

Ein an sich guter Router mit schneller Hardware wird von der Software ausgebremst. App-Zwang in Verbindung mit verpflichtender Zustimmung zu Remote-Zugriff über Magenta Server und so gut wie keine Einstellungsmöglichkeit abseits der WLAN-Zugangsdaten ruinieren die User Experience. Speziell Kunden des „Gaming“-Internets werden sich über fehlende Möglichkeiten von Port-Freigaben oder Port-Weiterleitungen grün und blau ärgern. Und wer denkt, dass er dieses Problem mit einem eigenen WLAN-Router umgehen kann, scheitert an dem nicht mehr vorhandenen Bridge-Mode. Kein Bridge-Mode bedeutet wiederum Double NAT und damit wieder Probleme bei Online Games. Die nicht vorhandenen Einstellmöglichkeiten beschränken die Home Box Fiber auf 0815 Anwendungen wie Internet & E-Mail und lassen sie für spezifischere Anwendungsszenarien wenig geeignet erscheinen.

Positiv:

  • Schnelle DOCSIS 3.1 Hardware
  • Wifi 6 und 2,5 Gbit/s LAN

Negativ:

  • Keine Weboberfläche
  • Kaum Konfigurationsmöglichkeiten
  • Kein Bridge-Modus

Home Box Fiber
2 / 5

Die Home Box Fiber ist Magenta’s neue Standard-Modem für alle gigakraft Tarife. Alternative gibt es leider keine. Es bleibt nur zu hoffen, dass Magenta vielleicht noch an der Softwarefunktionen und den Konfigurationsmöglichkeiten nachbessert.

26 März 2014
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Spinnen die komplett bei Magenta. So einen Router den Kunden zu geben grenzt ja schon an Boshaftigkeit. Wahrscheinlich haben bei Magenta die Leute aus der Technik gar nichts mehr zu sagen und nur noch das Marketing bestimmt. Die Software auf solchen Routern wird ja üblicherweise zusammen mit dem Hersteller angespasst. Sicherlich kam dann aus der Markting Abteilung App muss sein (heute braucht alles eine App), Daten sammeln schadet auch nicht. Die einfachsten Features? Brauchen wir nicht kostet nur Geld und der Kunde kann ja was falsch machen und Support kostet auch.

Jetzt mal zur technischen Seite von so einem Pfusch. So wie man das liest verbindet die App nicht mal direkt zum Router. Das heißt bei einem Ausfall kann man gar nicht nachschauen am Router was falsch ist. Gibts überhaupt eine Statusseite mit den Signalwerten usw?

Das hier nicht mal Port Forwarding möglich ist, verstößt meiner Meinung gegen die Netzneutralität. Damit wird das benutzen/anbieten gewisser Dienste durch die Hardware verhindert.

Sollte Magenta anfangen Bestandskunden die Box auszutauschen, irgnoriere ich das solange wies geht. Paket nicht annehmen usw. Wenn sie dann abschalten das alte Modem dann bleibt nur die Kündigung übrig. Ich brauche den Bridge Mode und offene Ports und keinen beschnittenen Internetzugang.
 
29 November 2016
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OMG, sieht übel aus, ganz übel. Also wenn da zumindest die GamingTarife in Zukunft kein ähnliches freies Modem wie die Fritzbox bekommen, muss ich mich verabschieden. Irgendwann wird die Fritzbox 6660 veraltet sein und ich nehme niemals so einen Schund. Sorry 🙈
 
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Reaktionen: Scoty
16 Mai 2014
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Kein Bridge-Modus, auch nicht providerseitig aktivierbar mittels „IPv4 Flag“? Schwer zu glauben.
 
12 August 2021
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Liest sich sehr sehr gruselig. Fernzugriff für SSID und Passwort? Um mir den Horror vorzustellen fehlte mir bisher der Zynismus. Das ganze in Kombi ohne Bridge-Mode, Magenta will wohl wirklich den Gesetzgeber kitzeln und schauen was so alles rein geht in Österreich.