Bringt das Netzwerkmanagement der Mobilfunker ein 2 Klassen-Internet?

Das sogenannte „Netzwerkmanagement“ hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen und soll dazu dienen die Bandbreiten bei Netzauslastung optimal zu verteilen. Dabei kann der wenig bekannte Mechanismus teils deutliche Auswirkungen für den Kunden haben:

  • Netzwerkmanagement wird im Falle der Auslastung des Mobilfunknetzes wirksam.
  • Mobilfunkteilnehmer werden je nach Tarif/Vertrag gegenüber anderen Teilnehmer bessergestellt oder benachteiligt, theoretisch bis zum 33-fachen.
  • Dabei zählt die vertraglich vereinbarten Leistungsklasse, welche oft nur im Kleingedruckten der Tarifdetails zu finden ist.
  • Beispiele zeigen den Einsatz des Netzwerkmanagements nicht nur zur Optimierung, sondern auch zur Tarifdifferenzierung. Statt der angegebenen max. Geschwindigkeit entscheidet dann primär die Leistungsklasse über die tatsächliche Bandbreite.
  • Ist am aktuellen Standort des Kunden das Mobilfunknetz nicht ausgelastet, wird auch kein Netzwerkmanagement aktiv, die max. Geschwindigkeit des Tarifs ist erreichbar.
  • Der Kunde selbst hat keine Möglichkeit eindeutig festzustellen, ob das Netzwerkmanagement gerade aktiv ist oder nicht.

Netzwerkmanagement von „3“ Drei

Drei hat sich zuerst vorgewagt, musste den ersten Versuch in Richtung Netzwerkmanagement nach anfänglicher Kritik wegen der intransparenten Darstellung seiner Leistungsklassen auf Grund einer Entscheidung (G 175/14- 12) der RTR jedoch wieder zurücknehmen. Im zweiten Anlauf startete man mit einem neuen Netzwerkmanagement, welches primär zwischen mobiler und stationärer Nutzung (welche im Auslastungsfall um den Faktor 2 benachteiligt werden kann) unterscheidet. Innerhalb der Nutzungsklassen kann dann nochmals relativ zueinander anhand der max. Tarifgeschwindigkeit gestaffelt werden.

Angesprochen auf die neueren Systeme von Magenta Telekom und A1, welche nur nach Leistungsklassen (dafür wesentlich granularer) unterscheiden, sieht man beim Mobilfunknetzbetreiber „3“ Drei derzeit keinen Anpassungsbedarf:

Wir arbeiten bereits seit Jahren stabil und kundenfreundlich mit unserem bestehenden Netzwerkmanagement und sehen daher vorerst keinen Handlungsbedarf die Logik zu ändern. – Drei Austria

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Netzwerkmanagement bei Magenta Telekom

Der Mobilfunkanbieter Magenta T verfügt schon länger über ein ausgeklügeltes Netzwerkmanagement mit 11 Klassen und einer maximalen Benachteiligung um den Faktor 20x. Besonders negativ fiel dies bei der Übernahme der ehemaligen UPC Mobile Kunden in das Magenta-Netz auf. Viele Kunden wurden nach der Übernahme auf die Verwendungsklasse F umgestellt, welche eine maximale Verschlechterung um den Faktor 5,56 erlaubt.

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Netzwerkmanagement bei tele.ring

Bis vor wenigen Tagen wurde bei der Marke tele.ring online noch das alte Modell des simplen Netzwerkmanagements, lediglich mit Unterscheidung zwischen mobiler und stationärer Nutzung (max. Schlechterstellung um den Faktor 2x) beschrieben. Im Zuge unserer Recherchen und Anfragen besserte man allerdings die Website von tele.ring umgehend aus, sodass sich dort mittlerweile dieselbe Beschreibung wie bei der Konzernmutter Magenta Telekom befindet.

Mehr Details zum Netzwerkmanagement von tele.ring …

Durchaus denkbar, dass es bei der im Jahr 2020 anstehenden Integration von tele.ring in Magenta, ähnliche wie bei UPC Mobile, bei der Einstufung in die Leistungsklassen des Netzwerkmanagements zu Verschlechterungen kommen könnte. In diesem Fall würde den betroffenen Kunden jedoch auch ein Sonderkündigungsrecht zustehen.

Das neue Netzwerkmanagement von A1

Lange Zeit hatte A1 eines des nachvollziehbarsten Netzwerkmanagements im Falle einer Netzauslastung: Reine Datentarife konnten um den Faktor 2x gegenüber Sprachtarifen benachteiligt werden. Mit dem neuen Netzwerkmanagement (seit 5.8.2019) für das 3G-, 4G- und 5G-Mobilfunknetz, bekannt als „A1 Bandbreiten Service“ hat A1 einen neuen österreichischen Rekord aufgestellt: Ganze 12 Nutzungsklassen und eine Benachteiligung bis zu Faktor 33x zeichnen das neue Netzwerkmanagement-System aus, wobei die niedrigste Kategorie laut A1 für unkritische Dienste/Produkte vorbehalten sei. Die ersten Tarife, bei denen das neue Netzwerkmanagement zum Tragen kommt, sind die unlimitierten Sprachtarife, welche im Bedarfsfall um den Faktor 5x benachteiligt werden können.

Bestandskunden (vor dem 5.8.2019) fallen je nach Tarif weiterhin in die schon bisher zum Einsatz kommenden Kategorie 1 (keine Benachteiligung) oder Kategorie 2 (max. Faktor 2x). Die max. erreichbare Geschwindigkeit ist jedoch weiterhin mit der max. „bis zu“ Bandbreite laut Tarif gedeckelt.

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Wie A1 auf Nachfrage von LTEForum.at bestätigt, sollen künftig auch die Tarife der Sub-Marken (z.B. Red Bull Mobile, bob, yesss!, …) in die neue Netzwerkmanagement Leistungsklassen eingegliedert werden:

Ein Netzwerkmanagement macht nur Sinn, wenn es sämtliche Marken und Produkte im entsprechenden Netz berücksichtigt – demnach wird das A1 Bandbreiten-Service in Zukunft alle sich im A1 Mobilfunknetz befindlichen Produkte betreffen. – A1 Telekom Austria

Netzwerkmanagement zur Tarifdifferenzierung

Die Idee des Netzwerkmanagements muss nicht per se schlecht sein und kann durchaus Sinn machen. Die angegebenen Faktoren stellen jeweils das Worst-Case-Szenario im Falle einer Netzauslastung dar und selbst ohne Auslastung würden die Mobilfunkteilnehmer nicht die volle Geschwindigkeit des Mobilfunksenders, sondern nur die maximale Bandbreite ihres jeweiligen Tarifs erhalten.

In letzter Zeit kommen jedoch auch immer mehr Tarife auf den Markt, bei denen auch innerhalb der Tariffamilie gestaffelt wird. Sprich, teurere Tarife werden günstigeren Tarifen gegenüber bevorzugt. Wer mehr zahlt, bekommt im Fall der Auslastung mehr Bandbreite. Teilweise bis zum Faktor 3x. Typisches Beispiel sind die unlimitierten Datentarifen Internet Flex der Magenta Telekom. Hier entscheidet nicht mehr die max. Bandbreite des Tarifs, sondern im Auslastungsfall die Verwendungsgruppe und auch hier gilt: Wer mehr zahlt, bekommt mehr. So können die Unterschiede zwischen einem günstigen 30 Mbit/s Tarif und dem teureren 250 Mbit/s Tarif in der Praxis jedoch anders ausfallen, als dass die Zahlen im ersten Moment suggerieren würden.

Kommt mit Netzwerkmanagement & 5G das Zwei-Klassen Mobilfunknetz?

Schon jetzt ist abzusehen, dass mit der Einführung von 5G die Karten neu gemischt werden, denn 5G soll als Premium-Feature verkauft werden. Schließlich wollen die Mobilfunkanbieter die Kosten für die Frequenzauktion und den Netzausbau wieder verdienen. Tarife welche sich künftig ins schnellere 5G-Netz einbuchen können werden heute bei A1 und Magenta Telekom als 5G-ready beworben und kostet als „Premium-Tarife“ dementsprechend mehr. Im Umkehrschluss bedeutet das wohl auch, dass Kunden mit bestehenden Verträgen anfangs nicht automatisch ohne Tarifwechsel auf das neue 5G-Netz zugreifen werden können.

5G und Netzwerkmanagement zur Differenzierung zu Mobilfunkdiskontern?

Dementsprechend müssten für die 5G-Nutzung auch die Verträge mit den Netzuntermietern und Mobilfunkdiskontern neu verhandelt werden. Dabei sind zwei Szenarien denkbar: Um 5G als Premiumfeature für die eigenen Kunden hervorheben zu können müssen die Mobilfunkdiskonter vorerst mit dem LTE-Netz als höchste Ausbaustufe vorliebnehmen oder für die Nutzung des 5G-Netzes wird ein Aufpreis verlangt, um die Ausgaben für die Frequenzauktion und Netzausbau zurück zu verdienen. Der Mobilfunkdiskonter spusu versucht sich schon jetzt dagegen abzusichern und regional ein eigenes 5G-Netz aufzubauen.

Auffallend, dass viele Mobilfunkdiskonter selbst derzeit noch kein Netzwerkmanagement betreiben. Kunden mit Sprachtarifen von HoT & Co wären demnach derzeit im Falle einer Netzauslastung bessergestellt als Kunden mit teuren Premiumtarifen der Mobilfunknetzbetreiber. Ein Zustand der wohl nicht mehr lange so bleiben wird.

Was sagt die RTR zum Netzwerkmanagement?

Die Regulierungsbehörde prüft die AGB und Entgeltbestimmungen der Mobilfunkanbieter auf deren Konformität mit bestimmten gesetzlichen Bestimmungen. In einer ersten Entscheidung zum Thema Netzwerkmanagement wurde dem Anbieter Drei damals die Verwendung wegen der intransparenten Darstellung bzw. Erklärung der Leistungsklassen untersagt, nicht die Idee des Netzwerkmanagements per se. Die RTR besteht auf einer möglichst einfachen grafischen Darstellung, die auch nicht technik-affinen Kunden die Möglichkeit geben soll, die Materie zu verstehen und eine entsprechend informierte Entscheidung zu treffen. In rechtlicher Hinsicht besteht aber für die Regulierungsbehörde keine unmittelbare Möglichkeit den Mechanismus Leistungsklasse per-se zu verbieten oder gegen die konkrete Zuordnung eines bestimmten Tarifes zu einer Leistungsklasse vorzugehen, soweit diese zivilrechtlich korrekt mit dem Kunden vereinbart wurde.

In rechtlicher Hinsicht besteht aber für die Regulierungsbehörde keine unmittelbare Möglichkeit den Mechanismus Leistungsklasse per-se zu verbieten. – Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH

Ein wichtiger rechtlicher Faktor muss jedoch beachtet und von den Mobilfunkanbietern eingehalten werden: ISP’s sind nach Art 4 Abs 1 lit d) VO (EU) 2015/2120 (TSM-VO) verpflichtet, bei mobilen Internetzugängen die beworbene und die geschätzte maximale Geschwindigkeit anzugeben. Vor allem Letztere ist für Gewährleistungsansprüche relevant und muss ungeachtet von möglichen Leistungsklassen erreicht werden können. Anders gesagt: Leistungsklassen können im Fall, dass diese Geschwindigkeit kontinuierlich bzw. regelmäßig wiederkehrend nicht erreicht wird, nicht als „Ausrede“ herangezogen werden.

Weiters beobachtet die RTR die Zuordnung der Tarife zu Leistungsklassen genau, um die Entwicklung des Qualitätsniveaus von Internetzugangsdiensten zu überwachen. Sollte die Qualität in ihrer Allgemeinheit durch Mechanismen wie z.B. auch Leistungsklassen tatsächlich so dramatisch absinken, dass ein Mindestniveau für funktionale Internetzugänge nicht mehr aufrechterhalten werden kann, könnte die RTR-GmbH mit Verordnung nach § 17a Abs 1 TKG 2003 Betreibern auch Mindestanforderungen an die Dienstequalität auferlegen. Diese Verordnung ist aber als ultima-ratio Maßnahme zu sehen und es gibt derzeit laut der RTR keinerlei Anzeichen davon auszugehen, dass dieser Fall eintritt.

Was ist eure Meinung dazu? Diskutiert in den Kommentaren im LTEForum!

Danke an die RTR sowie den Mobilfunkanbietern A1 und Drei für die umfangreichen Informationen und Beantwortung unserer Fragen bei der Recherche zu diesem komplexen Thema.

EDGE-Surfer

Mobilfunk Teilnehmer
21 Jan 2015
1.022
289
2 Klassen Internet wirds sowieso mit 5G geben. Auch ohne Netzwerkmanagement.

Die hohen Frequenzen für den sooft erwähnten Gigabit Speed wirds wohl nur in der Stadt geben. Und am Land bleibts so gut wie genauso wie es jetzt ist.
 

baileys

Mobilfunk Teilnehmer
24 Jul 2019
6
17
Ich hab bei A1 sowohl einen Handytarif (Firmenhandy, A1 go Network M) als auch einen Netcube Tarif (Netcube S)

Der Handytarif befindet sich in einem relativ modernem Handy (Huawei P20 Pro, LTE Cat 18/13)

Mein Netcube ist der Netcube Plus (Huawei B528, Cat 6)


Manchmal teste ich beide Verbindungen zur selben Zeit am selbem Ort und mir wäre bis jetzt nicht aufgefallen, dass der Handytarif groß bevorzugt wird. Wenn der Cube langsam ist, ist auch das Handy kaum schneller. Manchmal ist sogar der Cube schneller.

Edit: Wer hätte das gedacht, jetzt mach ich mal einen Speedtest und sehe zum ersten mal, dass es wirklich einen merkbaren Unterschied gibt.. Tja dann ist die Breitband Optimierung wohl schon voll im Gange :D
 
Zuletzt bearbeitet:

sss

Mobilfunk Teilnehmer
25 Mrz 2014
915
292
@baileys dad Bandbreiten Management gibt es für Privattarife erst seit a
dem 5.8.2019.

Tarife davor sind ausgenommen, ergon
alle in klasse 1.
 

Hausmeister

Mobilfunk Teilnehmer
29 Mai 2016
49
19
Magenta machts vor: Internet für zuhause D/U: 70/14 um 35€. Abends nach 18 Uhr: Download 2 Mbit, Upload 15 Mbit, Videostream unmöglich, heute Vertrag gekündigt. Bei mehreren Bekannten, die probeweise T-Mobile hatten, funktionierte in der Probezeit voller Speed, am Tag der Vertragsbindung sank die Geschwindigkeit erheblich. Zufall?
 
Zuletzt bearbeitet:

baileys

Mobilfunk Teilnehmer
24 Jul 2019
6
17
@baileys dad Bandbreiten Management gibt es für Privattarife erst seit a
dem 5.8.2019.

Tarife davor sind ausgenommen, ergon
alle in klasse 1.
War es nicht immer schon so, dass unlimierten Tarifen nur die Hälfte zugeteilt wird? Neu ist doch jetzt nur, dass es 12 Abstufungen gibt
 

mynickname

Mobilfunk Teilnehmer
9 Okt 2015
43
11
Aus Verkaufssicht macht es durchaus Sinn. Wenn der Kunde mehr zahlt bekommt er im Falle eines Engpasses (der schnell eintreten kann) einen schnelleren Download/Upload Speed. Ansonsten ist es ja so, das die theoretische Maximalgeschwindigkeit höher ist, da man diese aber sowieso nicht erreicht machen die "höherwertigen" Tarife kaum Sinn. Würde mir auf3G/4G niemals einen Tarif über 20-40 Mbit nehmen. Tarifwechsel in einen höherwertigeren/teureren Tarif haben in der Vergangenheit nichts gebracht außer einen teureren Vertrag für den Kunden und eine neuerliche Vertragsbindung. Zumindest wenn das Problem die Netzauslastung war. Hier würde es mit den Nutzungsklassen durchaus eine Benefit geben. Zumindest bis alle das Upgrade durchführen.

Mir persönlich wäre es mobilseitig sogar am liebsten wenn es gar keine Maximalgeschwindigkeit mehr gibt, sondern nur mehr Nutzungsklassen, nur kannst du das dem Otto-Normaluser nicht verkaufen. Für den klingt halt 150 Mbit / 300 Mbit / 500 Mbit / 1Gbit besser als irgendeine Nutzungsklasse. Aber evtl. geht es zumindest bei Netcubes verkaufstechnisch in die Richtung. Standard, Premium und Premium Plus.
 
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Reaktionen: email.filtering

MOM2006

Mobilfunk Teilnehmer
29 Mrz 2014
1.208
408
tja der alte my mobile extreme tarif von t-mobile war nutzungsklasse A oder wie das heisst. und jetzt die teuersten tarife sind grad mal nutzungsklasse B. das kannst nicht erfinden. die werden alle immer unsympathischer