Ein Blick hinter die Kulissen von 5G

A1 hat ausgewählten Journalisten einen Blick hinter die Kulissen geboten und interessante Details zum im Aufbau befindlichen 5G-Netz verraten. Das LTEForum war mit dabei und berichtet:

Neue Anwendungsszenarien: Bei A1 rechnet man mit vielen neuen Einsatzzwecken. Plakative Beispiele vergangener Tage wie 8K Videostreaming oder Video-Calling mittels 5G stehen dabei weniger im Vordergrund. Vielmehr werden dank hoher Datenrate und niedriger Latenz neue Echtzeitanwendungen in den Bereichen Gaming, Education und Health ermöglicht.

Drohnen zur Verkehrsüberwachung oder der Auskundschaftung im Vorfeld von Rettungsmissionen, der Echtzeitübertragung von wichtigen Lebensparametern vom Krankenwagen direkt ins Krankenhaus zur optimalen Vorbereitung auf die Behandlung oder Operation sind lebensverbessernde Maßnahmen. Aber auch banal klingende Projekte wie Mistkübel mit Füllstandsensoren, welche die Routen der Müllwagen optimal berechnet brachten in Versuchsstädten eine bis zu 30% Optimierung der Fahrten und leisten somit einen Beitrag zur Senkung der Umweltbelastung.

Das sind aber nur einige Beispielen von vielen. An viele Anwendungsgebiete denken wir derzeit noch gar nicht. Die Vorteile der 5G-Technologie sind dabei nur der Wegbereiter und 5G nur das Transportmedium auf dem ganz neue Dienste und Services entstehen werden. Deshalb kooperiert A1 auch sehr stark mit der Startup-Szene. Man sucht nach neuen Anwendungsgebieten, welche sich vermarkten lassen. Netzbetreiber zu sein ist künftig zu wenig. Das Potenzial liegt in den Anwendungen, welche auf ein gutes Netz aufsetzen.

Höhere Dichte an Devices: Dank 5G können sich deutlich mehr Devices in einer Zelle einbuchen als bisher, bis zu 1.000 Endgeräte sollen künftig möglich sein. Wichtig für Großveranstaltungen und die Vielzahl an kommenden IoT-Devices.

Geschwindigkeit: Unter realen Testbedingungen erreicht man derzeit 400-500 Mbit/s, im Labor direkt neben dem Sendemasten auch mehr. Bis zum Marktstart 2020 sollen 1 Gbit/s angepeilt werden. In späteren Ausbaustufen seien dann bis zu 10 Gbit/s möglich.

5G Standalone (SA) vs. Non-Standalone (NSA): Zum Marktstart findet die Signalisierung und Initialisierung noch im LTE-Netz statt (NSA-Modus), welches als Trägermedium verwendet wird. Für die Datenübertragung wird dann ins 5G-Netz gewechselt. Im SA-Modus (geplante Einführung ca. Ende 2021) wird dann kein LTE-Netz mehr benötigt. Trotzdem kann es von Vorteil sein, weil viele künftige Smartphones auch Carrier Aggregation zwischen LTE und 5G beherrschen werden.

Network Slicing: 5G bietet die Möglichkeit das Netz in einzelne private Netze mit garantierten Kapazitäten und erhöhter Sicherheit zu unterteilen. Denkbar wären eigene Netze für große Betriebsgelände (z.B. zur Vernetzung des Vorfelds des Wiener Flughafens oder Industriegelände wie z.B. die voestalpine) oder eigene Netze nur für Behörden und Rettungsdienste.

Auch getrennte Netze zwischen Privat- und Firmenkunden wären theoretisch möglich, wahrscheinlicher sei jedoch, dass die Kapazitäten zwischen diesen zwei Kundengruppen mittels der schon bekannten Regeln des Netzwerkmanagements im Auslastungsfall unterteilt werden.

Netzwerkmanagement: Mit 5G wird auch immer deutlicher, was man mit dem Netzwerkmanagement bezwecken will. Weniger die Priorisierung unter den Kunden nach Preisklassen steht im Vordergrund, sondern vielmehr die Priorisierung unter verschieden Anwendungsszenarien. Mit 5G erwartet man sich auch neue Einsatzzwecke: Viele smarte IoT Devices im 5G Netz können problemlos ohne negative Auswirkungen niedriger priorisiert werden. Und reine Datenprodukte müssten sich im Worst-Case hinter Sprachprodukten einreihen. Für Gaming mit einem Bedarf an einer niedrigen Latenz könnte es wiederum eigene Produkte geben. Das Netzwerkmanagement sollte sich immer nach dem Anwendungszweck richten.

Marktstart: Neue Produkte und der Marktstart von 5G wird wahrscheinlich nicht mittels Knopfdruck am 1. Jänner 2020 stattfinden, aber im 1. Quartal 2020 will man definitiv loslegen. Durchaus denkbar, dass 5G am Anfang, wie auch schon bei 4G als Premium-Feature vermarktet wird. Bestehende A1 Kunden können (5G-ready Tarife ausgenommen) nicht automatisch ins neue Netz. Es soll aber auch für Bestandskunden Möglichkeiten eines „Upgrades“ angeboten werden.

5G-Ausbau: Die Ausstattung einzelner Sendemasten mit 5G hat bereits begonnen. Auch, wenn man die ersteigerten Frequenzen erst ab 1.1.2020 nutzen kann laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Derzeit setzt man auf Equipment von Nokia, ein weiterer zweiter Hersteller soll noch dazu kommen. Zum Marktstart rechnet man mit „ein paar Hundert“ LTE-Sendestationen, verteilt auf ganz Österreich. Der Vollausbau wird, wenn man die Schönfärbung des Marketings weglässt, realistischerweise ein paar Jahre dauern. Deshalb baut A1 auch sein LTE-Netz noch weiter aus und ersetzt teilweise einzelne 2G-, 3G- und 4G-Antennen mit neuen kombinierten Multibandantennen um so mehr Platz für die zusätzlich benötigten 5G-Antennen zu schaffen.

Endgeräte: Als erstes 5G-fähiges Smartphone bietet A1 das Huawei Mate 20 X 5G an. Weitere Geräte befinden sich gerade im A1 eigenen Testlabor, wo die Geräte getestet und die Einstellungs-Parameter fürs A1 Netz optimiert werden. Für Mitte 2020 erwartet man, dass die meisten High-End-Smartphones 5G, zumindest im NSA-, einige vielleicht auch schon im SA-Modus unterstützten werden.

Mehr Details zu 5G bei A1 gibt es unter www.a1.net/5g-netz

FireStorm

Mobilfunk Teilnehmer
1 Nov 2014
446
72
Das war richtig informativ wenn auch ein hässlicher Beigeschmack mit dem Netzwerkmanagement bzw eigene Netzen bleibt. Ansich gescheit und nützlich (Behörden / Notdienst) praktisch wird es aber vermutlich eher dazu genutzt 2 Klassen Gesellschaft zu fördern.
 

Gsicht

Mobilfunk Teilnehmer
22 Mrz 2014
6.076
1.416
Klingt nach einer Werbeveranstaltung ohne konkrete (technische?) Details. Immerhin hat man das "autonome Fahren" nicht erwähnt, sondern mehr auf "Echtzeit" gesetzt, ohne überhaupt zu definieren was nun "Echtzeit" sein soll.
Ich hoffe mal A1 bietet dann wirklich 1ms an, zumindest zu Servern in Österreich (und nicht nur Wien) oder routet den Traffic nicht zuerst nach Wien und dann wieder zurück. Aber da darf man sich nicht zu viel erwarten.

Für Gaming mit einem Bedarf an einer niedrigen Latenz könnte es wiederum eigene Produkte geben. Das Netzwerkmanagement sollte sich immer nach dem Anwendungszweck richten.
Da stellt sich mir die Frage wie A1 das erkennen will. Oder gilt das "Low-Latency" Paket dann einfach auf alle Verbindungen?
 
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sebinity

Mobilfunk Teilnehmer
11 Dez 2018
213
159
Danke für den - relativ - neutralen Bericht.

Das ganze mit dem Netzwerkmanagement und den getrennten Netzen macht mir etwas Sorgen. Wahrscheinlich unterscheidet man in Zukunft nicht mehr zwischen 10, 20, 30GB oder 50, 100, 150 MBit/s, sondern wir landen auch dort, wo z.B. die Verizon USA Tarife derzeit sind, Premiumstufen ohne irgendeine konkrete Zahl, die garantiert wird. Der Vergleich ist dann noch schwerer. Ich meine sowas, wie z.B.:
  • Premiumuser
  • Super-Premiumuser
  • Golduser
  • Platinuser
  • Super-Duper-Überdrüber-Platinuser
Wenn man Gamen will, dann braucht man Super-Duper-Überdrüber-Platinuser. Wenn man in der Stadt wohnt und nur Premiumuser ist, kommt gar nix mehr an, am Land könnt's aber locker reichen. Auf die Vergleiche freu ich mich...
 

maxb

Mobilfunk Teilnehmer
31 Mrz 2014
1.467
1.625
Klingt nach einer Werbeveranstaltung ohne konkrete (technische?) Details. Immerhin hat man das "autonome Fahren" nicht erwähnt, sondern mehr auf "Echtzeit" gesetzt, ohne überhaupt zu definieren was nun "Echtzeit" sein soll.
Ich hoffe mal A1 bietet dann wirklich 1ms an, zumindest zu Servern in Österreich (und nicht nur Wien) oder routet den Traffic nicht zuerst nach Wien und dann wieder zurück. Aber da darf man sich nicht zu viel erwarten.



Da stellt sich mir die Frage wie A1 das erkennen will. Oder gilt das "Low-Latency" Paket dann einfach auf alle Verbindungen?
geht das nicht mit einem anderen gateway/apn ?

low latency apn/ 1GB limit aber garantierte latency <10 ms (zum gateway)
wald und wiesen internet apn/ unlimited, alles best effort

aja, geht ja so gar nicht wegen Netzneutralität :p
 

Gsicht

Mobilfunk Teilnehmer
22 Mrz 2014
6.076
1.416
geht das nicht mit einem anderen gateway/apn ?

low latency apn/ 1GB limit aber garantierte latency <10 ms (zum gateway)
wald und wiesen internet apn/ unlimited, alles best effort

aja, geht ja so gar nicht wegen Netzneutralität :p
Warum einen eigenen APN? Die Zuordnung von Kunden zu Tarif muss man ja trotzdem machen. Eigene APNs für Firmen die dann IPs von deren Netz bekommen gibts eh heute schon. Eine Erkennung von "Gaming" macht man dann vermutlich analog zu ihrem Streaming-Debakel, also wieder netzneutralitätsverletzend.

Nur wird man mit 1GB bei "Gaming" nicht weit kommen. Zumindest wenn man Downloads ebenfalls darüber machen will. Bei den großspurigen Werbewahnsinn mit "1ms" sollen sie ruhig auch "1ms" anbieten. Oder sehr deutlich darstellen dass damit nur die Funkstrecke gemeint war, was natürlich immer vergessen wurde zu erwähnen.

Zum Glück, das hält den Größenwahn der Mobilfunker doch etwas einhalt. Einen Grund warum man für 5G nun von der Netzneutralität abweichen sollte sehe ich nicht. Auch wenn die Mobilfunker kräftig am weinen waren.
 
Zuletzt bearbeitet:

mitreder

Mobilfunk Teilnehmer
26 Nov 2016
64
30
Ja das ist schon richtig - zeigt aber a) sie nehmen einen neuen Netzcode oder b) man ist hier in einer sehr geschlossenen Testumgebung
 
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tommy

Mobilfunk Teilnehmer
14 Apr 2014
1.381
902
auf dem Foto sieht man übrigens auch den Ping mit 8ms.