Servicepauschale für Neukunden wird teurer

Jahr für Jahr steigen die Preise für die jährliche Servicepauschale unter den Mobilfunkanbietern an. Von 19,90 Euro stieg sie auf 21,90 Euro im Jahr 2017, dann auf 25 Euro im Jahr 2019 und seit Montag beträgt Sie bei A1 bei neuen Mobilfunkverträgen 27 Euro pro Jahr.

Verglichen mit dem Vorjahr eine Preissteigerung von +8%, weit mehr als der Anstieg des Verbraucherpreisindex (+1,5%). Vergleicht man den Preisanstieg der letzten 3 Jahren (27.1.2017 bis 27.1.2020) beträgt die Erhöhung 35% gesamt oder durchschnittlich über 10% pro Jahr.

Welche Kunden sind betroffen?

Betroffen sind alle Neukunden, die ab heute einen A1 Tarif abschließen oder Bestandskunden, welche in einen neuen Tarif wechseln oder im Zuge einer Vertragsänderung der höheren Servicepauschale zustimmen. Es ist zu erwarten, dass wie schon bei den letzten Erhöhungsrunden in Kürze auch andere österreichische Mobilfunkanbieter nachziehen werden.

Was bringt die Servicepauschale?

Die Servicepauschale wird von den Mobilfunknetzbetreibern als pauschales Entgelt für verschiedene Dienstleistungen (z.B. SIM-Tausch, Diebstahlsperre, usw.) unabhängig ihrer Inanspruchnahme verrechnet. Über die genau Preiskalkulation der Servicepauschale will man aus Wettbewerbsgründen keine Auskunft geben. Kritiker und Konsumentenschützer vermuten hinter der Servicepauschale aber primär eine versteckte Erhöhung der Grundgebühr.

Forderung nach Einberechnung in die monatliche Grundgebühr

Einmal mehr wird nun der Ruf laut die Kosten für die jährliche Servicepauschale in die monatliche Grundgebühr einzurechnen. Schließlich verteuert die jährliche Servicepauschale die Tarifkosten um umgerechnet bis zu 2,25 Euro pro Monat. Hinzukommt, dass anders als bei einer Einberechnung in der Grundgebühr die jährliche Servicepauschale nicht in die Berechnung des EU-Roamingkontingents laut Roaming-Verordnung mit einfließt. Auf der anderen Seiten verzichten viele Diskontmarken bzw. MVNO auf eine Verrechnung der Servicepauschale.

RTR & Europäische Gesetzgebung

Durch diese unterschiedliche Herangehensweise (zwischen 0 bis 2,25 Euro Aufschlag pro Monat) wird die Vergleichbarkeit für die Kunden erschwert. Etwas dem die RTR grundsätzlich beipflichtet, gleichzeitig aber auch auf die Rechtmäßigkeit solcher Vereinbarungen verweist:

Wir pflichten Ihnen bei, dass Internetservicepauschalen der Transparenz, insbesondere bei der Entscheidung für einen speziellen Tarif, nicht zuträglich sind. Allerdings ist die Vereinbarung derartiger jährlicher Entgelte auch rechtlich zulässig. – RTR (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH)

Es gibt jedoch Grund zur Hoffnung: Mithilfe des European Electronic Communication Code (EECC) der EU soll künftig die Transparenz gestärkt werden. Ziel von Art. 102 Abs. 3 EECC sei ein standardisiertes Blatt zur Vertragszusammenfassung (siehe Muster) auf dem alle Preise auch auf monatlicher Basis anzugeben sind:

Demnach wird nach der Umsetzung des EECC in österr. Recht erforderlich sein, alle Preise in der Vertragszusammenfassung auch auf monatlicher Basis anzugeben. Zumindest teilweise sollte sich daher in Hinkunft das Problem entschärfen. – RTR (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH)

Damit wäre zumindest eine einfachere Vergleichbarkeit wieder hergestellt. Der EECC soll bis Dezember 2020 in Form einer TKG 2020 in österreichisches Recht umgesetzt werden.

Mehr Details:
A1 Servicepauschale: www.a1.net
Diskussion zur Servicepauschale Erhöhung auf 27 Euro: www.lteforum.at
EECC Art 102 Abs 3: https://eur-lex.europa.eu
EECC Vertragsblatt: https://ec.europa.eu

rage4

Mobilfunk Teilnehmer
5 Jul 2014
2.436
1.447
Die A1-Sim -Pauschale um 19,90 Euro wurde 2011 eingeführt. Im Vergleich dazu ist so manches Zeitungsabo
seit damals um mehr als 35 % teurer geworden. Die Aktivierungsgebühr schafft seit 1994 einen Preisanstieg
von 37 % (und bleibt damit hinter der Inflationsrate). "Bemerkenswert" ist das man auf die Tarifanpassungen (bei
den Go-Tarifen in den letzten Jahren jeweils 1 Euro oder 2 Euro) verzichtet hat. mfg
 

neptunus

Mobilfunk Teilnehmer
25 Mrz 2014
1.688
748
Die Preise für Telekommunikation fallen - seit 1997 - ins Bodenlose.

Um wieviel ist denn der Preis für das MB im Standard-Tarif den der Durchschnitt in Österreich hat seit 2011 gefallen? Die Servicepauschale ist jedenfalls ordentlich gestiegen.
 

alex34653

Mobilfunk Teilnehmer
13 Mai 2014
2.377
1.645
Nur entstehen den Betreiber halt „pro MB“ keine Kosten. Nebenbei hat sich das Nutzungsverhalten eben geändert.

Und der Umsatz pro Kunde wurde bei so manchem Betreiber doch erhöht 😉
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Anybody

blu18

Mobilfunk Teilnehmer
6 Jun 2016
244
40
Die Service-Pauschale ist ja in Wahrheit eine genauso für den Kunden sinnlose Gebühr wie die Aktivierungsgebühr. Aber der, der sie erdacht hat, erwies den Providern damit einen Bärendienst.
Vielleicht kommens bei den SB-Tankstellen ja auch noch drauf, eine Servicepauschale einzuheben, wenn man drinnen beim Angestellten zahlen will.
 
H

HP_17

Gast
ich denke, dass der Markt so dermaßen groß ist und es so viele Anbieter gibt, bei denen man keine Servicepauschale bezahlen muss, dass man eigentlich nix zum aufregen hat. sicher wäre es angebracht die ganze Sache transparenter zu gestalten, jedoch wenn die kunden mal entsprechend reagieren würden und in scharen davon laufen täten, würden sich die Betreiber das mal überlegen. aber über diese themen wird ja schon seit Existenz der Diskonter gequatscht und dennoch sind immer noch unzählige Leute bei den großen Anbietern.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Fat41 und gorbiWTF

Datenknecht

Mobilfunk Teilnehmer
22 Mrz 2014
487
179
Die A1-Sim -Pauschale um 19,90 Euro wurde 2011 eingeführt. Im Vergleich dazu ist so manches Zeitungsabo
seit damals um mehr als 35 % teurer geworden.
Ein Zeitungsabo (was ist eine Zeitung?) kann ich kündigen, wenn ich es nicht mehr will, die "Service"-Pauschale nicht.
Ein Abo ist auch das Produkt, das der Kunde will. Wer will die "Services", die diese Pauschale abdeckt, in dem Maße, welches den Preis rechtfertigt?
Oder ist es schlicht ein zwangsweise aufgedrückter Posten, mit dem man die Grundgebühr geringer erscheinen lassen kann? Fluglinien, Kreuzfahrtbetreiber etc. haben für die gleiche Praxis schon einiges auf's Geweih bekommen. Wird Zeit, dass es den Mobilfunkern und ISPs ähnlich ergeht.

Die Aktivierungsgebühr schafft seit 1994 einen Preisanstieg
von 37 % (und bleibt damit hinter der Inflationsrate).
Wenn die "Service"-Pauschle so gehandhabt würde wie die Aktivierungsgebühr, also fast dauerhaft erlassen weil Aktion, Kundenbindung o.ä., dann gäb's das Problem nicht.
 

oe6bhe

Mobilfunk Teilnehmer
22 Mrz 2014
1.901
708
ich zahle nur bei Drei Servicepauschale und wechsele auch oft meine Simkarten hin- und her. Gerade bei den Datensimkarten brauche ich zwischen Nano und Mini alle Formate. Wenn dann die unterschiedlichen Größen nicht mehr zusammenhalten wird einfach die Sim getauscht. Im Shop fragen sie oft blöd, warum ich sie wechseln will und oft wollten sie mir schon einen Adapter andrehen, aber ich bekomm ca. 2 mal im Jahr neue Simkarten. Aber ich bin da wohl eher die Ausnahme.
 

yum-yum

Mobilfunk Teilnehmer
1 Apr 2014
933
494
Gfrasta!

Besonders ärgerlich, weil die „Service“gebühr pro Jahr je Vertrag und nicht je KdNr eingehoben wird .... da zahlt man dann gleich mal 100, 200 EUR für genau nichts ... und leider prescht kein Netzbetreiber vor, und lässt komplett oder zumindest zum Teil diese Wegelagerei sein ....

Hier bedarf es DRINGEND einer gesetzlichen Regelung, ehe wir bei Zuständen wie 20 EUR GGB sowie 100 EUR jährliche Zusatzmaut angelangt sind ...