Auswirkungen des Corona Virus auf den Mobilfunk

Die aktuelle Corona Virus Krise hat auch weitreichende Auswirkungen auf das Internet- und den österreichischen Mobilfunk. Im LTEForum werden wichtige Neuigkeiten gesammelt und diskutiert.

Shops der Mobilfunker geöffnet

Die Filialen der Mobilfunkanbieter zählen zu den wichtigen Unternehmen, welche trotz Corona-Krise weiterhin geöffnet haben dürfen. Alle großen österreichischen Mobilfunkanbieter stehen ihren Kunden derzeit nicht nur über die jeweilige Service-Hotline, sondern auch über die Shops beiseite. Allerdings nicht alle Shops, denn wenig besuchte Shops wurden geschlossen. Kunden sollten sich vorab auf den Webseiten der Mobilfunkanbieter informieren welche Shops, zu welchen Öffnungszeiten geöffnet haben.

Aktionen der Mobilfunker

Einige österreichische Anbieter nutzen die aktuelle Krise auch für Aktionen. So verschenkt der auf Studierende spezialisierte Mobilfunkanbieter educom einmalig 5 GB zusätzliches Datenvolumen fürs e-Learning. Die educom Kunden wurden per SMS informiert.

Der Mobilfunker Drei möchte Klein- und Mittelbetriebe (KMU) unterstützen und verschenkt gemeinsam mit ZTE 1.000 kostenlose Kommunikationspakete. Diese bestehen aus einem ZTE MF17T Router und einer Wertkarte mit drei Monaten kostenlosen Internet (bis zu 50 Mbit/s).

Magenta bietet Firmenkunden kurzfristig verfügbare mobile Internetverträge ohne Bindung an. Mit dem Gutscheincode „Mobile Working“ reduziert sich die monatliche Grundgebühr um 20% Rabatt. Als Router gibt es den Huawei E5573 um 50 Euro zzgl. 20% USt. Mehr Details …

Die Innsbrucker Kommunalbetriebe IKB verdoppeln kostenlos die Upload-Bandbreite für Fibernet-Privatkunden bis zum 4. Mai 2020 und auch tirolnet erhöht die Upload-Bandbreite bis zum Ende der bis zum Ende der Tiroler Isolationsmaßnahmen.

Gegen Langeweile zuhause verschenkt simpliTV derzeit vier Wochen lang bis 20.4.2.2020 das Antennen Plus Paket mit 30 zusätzlichen Sender. Die Freischaltung erfolgt automatisch und es ist nach Ablauf des Pakets keine Kündigung erforderlich. Mehr Details …

Und auch der Festnetz-Internetanbieter fonira verlängert seine Neukundenaktion, welche exklusiv für LTEForum Nutzer gilt bis 30.5.2020. Mehr Details …

Mobilfunker in anderen Ländern

In Deutschland schenkt die Deutsche Telekom allen Mobilfunkkunden 10 GB zusätzliches Datenvolumen. Der Mitbewerber Telefónica Deutschland (O2) erhöht die maximale Downloadrate nach Verbrauch des Datenvolumens von 32 auf 384 kbit/s.

Support & Herstellung von neuen Internetleitungen

Österreichs größer Netzbetreiber A1 ist für das Aufrechterhalten von kritischer Infrastruktur verantwortlich. Die A1 Mitarbeiter sind weiterhin bemüht Störungen zu beheben und neue Internetanschlüsse herzustellen. Allerdings kommt es krisenbedingt zu ein paar Einschränkungen:

  • Die Behebung von Störungen werden am höchsten priorisiert und haben Vorrang.
  • Neuherstellungen von Internetleitungen können derzeit nur via Selbstinstallationen erfolgen.
  • Es findet kein direkter Kundenkontakt statt. Die Mitarbeiter von A1 betreten keine Privathäuser, Wohnung und Büros für Herstellungen, Wartungen und Dienstleistungen.
  • Dienstleistungen, bei denen direkter Kundenkontakt erforderlich wäre, müssen derzeit warten und werden zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet.

Datentraffic steigt

Der Internet-Datenverkehr steigt in Zeiten von Home Office, Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen an. Branchenkreisen zufolge stieg der Internet-Traffic um 15% an. Alle Anbieter versichern, dass noch genügend Kapazitäten vorhanden sind.

Über die wichtigsten Internet-Knotenpunkte VIX (Österreich) und DE-CIX (Deutschland) lässt sich der Anstieg der Datennutzung auch gut beobachten. Der weltweit größte Internet-Knotenpunkt DE-CIX hat erst Anfang März einen neuen Rekord von mehr als 9 Terabit pro Sekunde verzeichnet. Allerdings gäbe es keinen Grund zur Sorge. Die vorhandenen Kapazitäten würden noch viel mehr ermöglichen. Man sei auf der sicheren Seite.

Mobilfunknetze werden langsamer

Auch wenn noch genügend Kapazitäten vorhanden sind, kann man anhand der Zahlen aus dem RTR Netztest herauslesen, dass die maximalen Bandbreiten im Mobilfunk leicht zurückgehen. Im Vergleich zur Vorwoche sank die durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit um bis zu 20%.

Telefonate nehmen zu

Noch stärker als die Menge der übertragenden Daten stieg jedoch überraschenderweise die Anzahl an Telefongesprächen. Diese haben in der letzten Woche überproportional zugenommen und sich fast verdoppelt (bis zu + 100%).

Roaming sinkt deutlich

Noch deutlicher wirkt sich die Corona-Krise auf das Roaming aus. Während zuletzt MVNO wie spusu oder Hot immer wieder über die unfaire Behandlung beim EU-Datenroaming beschwert hatten und um Ausnahmegenehmigungen ersucht haben, herrscht nun zwischenzeitliches Aufatmen. Durch die Reisebeschränkungen sind die Roaming-Dienstleistungen deutlich zurückgegangen.

Netflix und YouTube reduzieren Streamingqualität

Auf Druck der Europäischen Union reduzieren Streaminganbieter wie Netflix, YouTube, Amazon Prime oder Apple TV+ die Qualität der Videos (Auflösung bzw. Bitrate) um Bandbreite für wichtigere Internetdienste zu sparen. Auch wenn es in Österreich laut Aussagen der großen Mobilfunknetzbetreiber keinen Grund dafür gebe, hatte zuvor die RTR den Internetprovidern die Möglichkeit eingeräumt im Überlastungsfall Videodienste offiziell zu drosseln. In Notfallsituationen könnte somit gegen die Netzneutralität verstoßen werden.

Home Office führt zu Anstieg bei Videokonferenzen

Der Aufruf der österreichischen Bundesregierung, dort wo möglich von zuhause aus zu arbeiten, sorgt für einen noch nie da gewesenen Anstieg bei Videokonferenzen. Google beobachtete ein Übertreffen der bisherigen Höchstwerte um ein Vielfaches und Microsoft konnte die Nutzerbasis von Microsoft Teams binnen nur einer Woche um 37% steigern.

Überwachung der Ausgangsbeschränkungen

Schlagzeilen machte diese Woche A1, als bekannt wurde, dass der Mobilfunknetzbetreiber der österreichischen Bundesregierung zur Bekämpfung der Corona-Krise Bewegungsprofile basierend auf der Handynutzung zur Verfügung gestellt hat. Die Daten sollen dem Krisenstab helfen den Erfolg der Ausgehbeschränkungen zur Verminderung von sozialen Kontakten analysieren zu können.

Datenschützer kritisierten, dass es für diese Datenweitergabe keinen Anlass gegeben habe. A1 hat dies proaktiv, ungefragt und freiwillig gemacht. Allerdings betont der Mobilfunknetzbetreiber, dass die Daten anonymisiert sind und keinen Rückschluss auf Einzelpersonen ermöglichen. Das Vorgehen sei DSGVO-konform.

Was die wenigsten wissen: Alle der österreichischen Mobilfunknetzbetreiber bieten unter den Namen A1 Mobility Insights, Magenta Footfall Analytics und Drei Data Analytics interessierten Behörden oder Unternehmen schon länger anonymisierte Bewegungsstromanalysen gegen Bezahlung an.

Warn-SMS der Regierung

Die österreichische Regierung kann Mobilfunkern nun dazu verpflichten Warn-SMS an Kunden in bestimmten Gebieten zu verschicken. So könnten Personen, welche sich mit ihrem Smartphone in einem betroffenen Corona-Gebiet aufhalten bald eine SMS mit der Info bekommen, dass ihr Aufenthaltsort unter Quarantäne gestellt wurde und sie den Anweisungen der Behörden folgen sollen. Um Datenschutzbedenken aus dem Weg zu räumen werden keine Rufnummern an Behörden weitergeleitet. Die Mobilfunker versenden die SMS direkt im Auftrag der Regierung. Diese Maßnahme gilt vorerst befristet bis Jahresende 2020.

Absatzrückgang bei Smartphones

Die Verkaufszahlen von Smartphones gingen laut Marktbeobachter im Februar weltweit um 38 Prozent zurück. Dies wäre der bisher stärkste Rückgang in der Geschichte des weltweiten Smartphone-Marktes. Es ist zu befürchten, dass sich die Lage auch im aktuellen Monat März nicht erholen wird.

Apple limitiert Stückzahl bei Online Bestellungen

Dadurch, dass die offiziellen Apple Stores weltweit (außer in China) geschlossen sind, fürchtet Apple ein Wiederaufleben des Schwarzhandels mit iPhones. Aus diesem Grund limitiert Apple die Stückzahl bei Online Bestellungen derzeit auf max. 2 Stück pro Gerätekategorie und Person.

Mehr Informationen

sebinity

Mobilfunk Teilnehmer
11 Dez 2018
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Werden wir den anstieg an Internet Traffic mehr wenn ab Montag mal bis Ostern Schüler ab der 9 Stufe und Stundeten zuhause im Selbststudium lernen sollen und dann zb. auf youtube hängen bleiben.
https://www.derstandard.at/story/2000115574418/
A1, Magenta und Drei sehen da kein Problem. Und irgendwie haben sie ja recht, zu Weihnachten sind ja auch alle zuhause und streamen, das muss das Netz laut ihnen also verkraften.

Die zunehmende Bandbreite durch Online-Vorlesungen an Unis z.B. wiederum würde ich nicht vernachlässigen. Meine FH hat alle Vorlesungen online verlegt, das muss das Netz erst mal aushalten, wenn jeder einen Stream am laufen hat.
 

tommy

Mobilfunk Teilnehmer
14 Apr 2014
1.585
1.083
Noch eine Frage. Werden die Netzbetreiber Reagieren? Zb. Gratisminuten damit man Oma und Opa anrufen kann?
Mehr Datenvolumen oder "Free Stream" für unser Schüler und Studenten?
 
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maultier

Mobilfunk Teilnehmer
26 Mrz 2014
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2.463
Die zunehmende Bandbreite durch Online-Vorlesungen an Unis z.B. wiederum würde ich nicht vernachlässigen. Meine FH hat alle Vorlesungen online verlegt, das muss das Netz erst mal aushalten, wenn jeder einen Stream am laufen hat.
Glaube nicht das das viel Auswirkungen hat. Wenn die Streams zu den üblichen Vorlesungenzeiten Vormittag und Nachmittags sind ist da nicht viel Unterschied wie zum Abend wo viele vorm TV mit netflix und co sitzen. Man braucht sich nur die Statistik vom VIX anschaunen und sieht das die Peaks immer am Abend sind.

https://www.vix.at/vix_statistics.html?L=1

Da ist untertags noch viel Reserve.


Noch eine Frage. Werden die Netzbetreiber Reagieren? Zb. Gratisminuten damit man Oma und Opa anrufen kann?
Mehr Datenvolumen oder "Free Stream" für unser Schüler und Studenten
Weiß nicht was ich davon halten soll. Einerseits nette Geste anderseits würds mir wie billiges Marketing vorkommen wenn ein Provider aufgrund der Krise damit wirbt.

Und wenn müsste es für alle Kunden sein. Wie will der Provider wissen wer Student oder so ist? Vorher Kopie vom Uniausweis rüber? Wäre maximal eine nette Datensammlung und bis der Provider alle Daten hat ist das mit dem Coronavirus hoffentlich wieder vorbei.
 
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tommy

Mobilfunk Teilnehmer
14 Apr 2014
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1.083
Eher nicht. Zuhause ist eh Flatrate.
Willst einen Jugendlichen "einsperren" ?
Mögliches Szenario wäre mit einem Freund/Freundin auf der Parkbank bei einem 🍺 die Lieblingsserie schaun.

Weiß nicht was ich davon halten soll. Einerseits nette Geste anderseits würds mir wie billiges Marketing vorkommen wenn ein Provider aufgrund der Krise damit wirbt.

Und wenn müsste es für alle Kunden sein. Wie will der Provider wissen wer Student oder so ist? Vorher Kopie vom Uniausweis rüber? Wäre maximal eine nette Datensammlung und bis der Provider alle Daten hat ist das mit dem Coronavirus hoffentlich wieder vorbei.
Nicht Falsch verstehn. keine direkte Werbung.
Hab in einem TV Beitrag aufgeschnappt das in Italien Telefonieren Gratis ist.
Kann mir vorstellen das viele Leute verunsichert sind.
Das man sich keine Gedanken beim Telefonieren machen muß wäre eine Sorge weniger.

Schüler und Studenten war nur ein Beispiel!!!
Konkret könnte man sagen: Bis auf weiteres (..) alle Tarife 100gb Daten und Unl. Minuten. (würde keinen Provider in den Ruin stürzen)
 

Metalcist

Mobilfunk Teilnehmer
8 Apr 2015
1.368
1.200
Schüler und Studenten war nur ein Beispiel!!!
Konkret könnte man sagen: Bis auf weiteres (..) alle Tarife 100gb Daten und Unl. Minuten. (würde keinen Provider in den Ruin stürzen)
Grade in der Zielgruppe hat man doch sowieso viele Einheiten inkludiert, und wenn jemand einen ganz "schlechten" Tarif hat, ist das meist von den Eltern so gewollt. Daheim hat man meist sowieso unl. Internet.

Und zur Parkbank, wenn das viele machen, hamma erst wieder Ansammlungen, da kann man sich gleich in die Schule schleppen.
 

derFlo

Mobilfunk Teilnehmer
22 Mrz 2014
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Glaube nicht das das viel Auswirkungen hat. Wenn die Streams zu den üblichen Vorlesungenzeiten Vormittag und Nachmittags sind ist da nicht viel Unterschied wie zum Abend wo viele vorm TV mit netflix und co sitzen. Man braucht sich nur die Statistik vom VIX anschaunen und sieht das die Peaks immer am Abend sind.

https://www.vix.at/vix_statistics.html?L=1

Da ist untertags noch viel Reserve.
Da stimme ich dir voll zu - untertags gibt es definitiv noch Reserve. Was man aber am Decix und VIX sehe kann: Die letzten 2 Tage haben wohl neue Rekordtraffic-Peaks gebracht (wenn auch eher am Abend). Also untertags sehe ich jetzt auch nicht so das Thema (kann sich aber noch ändern).
Wenn wirklich flächendeckendes Home-Office kommt, gibts dann aber andere Probleme: Anzahl der gleichzeitig per VPN eingewählten User in Unternehmen (kann je nach Firewall eine Lizenzfrage sein) und die Anbindung der Unternehmen - auf das sind wohl einige Unternehmen nicht ausgelegt.

Die zunehmende Bandbreite durch Online-Vorlesungen an Unis z.B. wiederum würde ich nicht vernachlässigen. Meine FH hat alle Vorlesungen online verlegt, das muss das Netz erst mal aushalten, wenn jeder einen Stream am laufen hat.
Das ist auch relativ: Ich hatte hauptsächlich Online-Vorlesungen (Skype for Business) in meinem Masterstudium (auch wenn das schon 2 Jahre her ist) und war nur einmal im Monat anwesend (weil sehr gut auf berufsbegleitendes Studieren ausgerichtet). Das war für die FH nicht so das Thema, weil es ein cloudgehosteter Dienst ist (da hat der Bund einen Rahmenvertrag mit Microsoft, den alle Ausbildungsinstitutionen nutzen können). Sowohl die Vortragenden waren an unterschiedlichen Orten und auch die Teilnehmer, das hat einwandfrei funktioniert.
Wenn es FHs/Unis gibt, die meinen, dass eine selbstgehostete Lösung für sie besser ist, werden die wohl Probleme bekommen.

BTW: Auch bei mir war das E-Learning von der FH selbst gehostet. Das war aber halt auch darauf ausgelegt - dort gibt es aber sicherlich noch Optimierungspotential, gerade wenn die x-fache Anzahl an Studenten täglich extessiv darauf zugreift.

Nun wird es wieder politisch hier. Der Admin wird bald kommen und die Diskussion dicht machen denke ich.
Ja, leider. Würde ich schade finden, weil die technischen Auswirkungen durchaus interessant und diskutierenswert sind.