A1, Magenta & Drei erhöhen Tarifpreise für Bestandskunden laut Inflationsrate

Alle drei großen österreichischen Netzbetreiber erhöhen derzeit ihre Tarifpreise für Bestandskunden. Möglich ist dies, weil typischerweise bei Vertragsabschluss oder Vertragsverlängerung eine sogenannte Wertanpassungen oder Indexierung vertraglich vereinbart wird. Gemeint ist damit die jährliche Anpassung der Tarife an die Inflationsrate gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI). Dieses Jahr fallen die Erhöhungen wie folgt aus:

  • A1: + 1,5% Preiserhöhung auf Tarif inkl. Zusatzoptionen und Servicepauschale*
  • Magenta: + 1,5% auf Tarif, keine Erhöhung von Zusatzoptionen oder Servicepauschale
  • Drei: + 3,58%** auf Tarif, keine Erhöhung von Zusatzoptionen oder  Servicepauschale

*) Der Mobilfunkanbieter A1 ist der einzige österreichische Anbieter, bei dem die Preiserhöhung auch auf optionale Zusatzpakete und die jährliche Servicepauschale aufgeschlagen wird.
**) Beim Mobilfunkanbieter Drei fällt die Erhöhung dieses Jahr höher aus, da im Vorjahr 2019 der Schwellenwert von 3% nicht überschritten wurde und daher keine Preiserhöhung stattfand.

Argumentiert wird die Wertsicherung der Tarife durch die jährliche Anpassung an die Inflationsrate mit allgemein steigenden Kosten. Auch die Gehälter der Mitarbeiter, Mieten der Mobilfunkshops und Kosten für den Netzausbau und -betrieb steigen von Jahr zu Jahr. Da es sich bei der Wertsicherung um einen vereinbarten Vertragsbestandteil handelt, besteht dabei kein Sonderkündigungsrecht (SoKü). Allgemein kritisiert wird jedoch die Erhöhung bei erst kürzlich abgeschlossenen Verträgen, wie das LTEForum bereits 2018 aufgedeckt hat.

Aus Konsumentensicht ist in dieser Hinsicht damit Drei noch der kundenfreundlichste Netzbetreiber (keine Erhöhung von Grundgebühr oder Servicepauschale, sowie ein relativ hoher Schwellenwert von 3%), gefolgt von Magenta (ebenfalls keine Erhöhung von Grundgebühr oder Servicepauschale, jedoch ein geringerer Schwellenwert von 1%) und dem Marktführer A1, welcher auch die Preise der Zusatzpakete und die jährliche Servicepauschale erhöht. Mobilfunkdiskonter hingegen verzichten jedoch zu einem Großteil auf die jährlichen Preisanpassungen. Nicht nur aus diesem Grund zahlt sich ein Tarifvergleich regelmäßig aus.

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sebinity

Mobilfunk Teilnehmer
11 Dez 2018
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378
Vielleicht wird ja 2021 dank Rezession nach unten angepasst ;)
Natürlich volkswirtschaftlich sehr dramatsich und auch unwahrscheinlich, aber vielleicht würde das ja den Betreibern bewusst machen, dass die Klausel in beide Richtungen gilt. Dagegen würden sie sich sicher mit Händen und Füßen wehren...
 

ko2media

Mobilfunk Teilnehmer
6 Feb 2020
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Darum bin ich von den drei Großen weg ... bin sowohl im Mobilfunk als auch beim DSL bei Sub-Carriern. Alleine schon wegen der „Servicepauschale“ die ja nichts anderes als zusätzliche Kosten sind.
 
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sergio_eristoff

Mobilfunk Teilnehmer
25 Mrz 2014
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Ich sag ja mal so, der Index was genommen wurde ist eigentlich nicht richtig und dürfte man nicht anwenden. Es wurde ein allgemeiner genommen, wo Nahrungsmittel mit 11%, Alkoholische Getränke und Tabak 3,54% usw. und der echte Anteil nur bei 1,65% liegt im VPI.
Der was wirklich anwendbar wäre geht aus dem RTR Bericht hervor, wo die allgemeine Tarifentwicklung bewertet wird sowie dessen Kosten für Minuten,SMS und Daten für den Endkunden. Auch wenn es in den AGBs anwendbar ist der VPI, wo man wahrscheinlich eine Klage auch erwirken sollte, ist der Index schlicht falsch. Versicherungen haben auch eigene, sowie wird gleichzeitig diverse Werte angehoben, sprich Versicherungssumme.
Das tun die Mobilfunkbetreiber nicht, sondern binden Kunden 24 oder 36 Monate ohne eine Mehrleistung bei steigenden Preis.

Sicher kann jeder frei wählen jedoch muss man das auch mal klar anführen, was die Fakten sind. Für 1,65% ist der VPI einfach nicht gerechtfertigt und steht in keiner Relation
 

telephon

Mobilfunk Teilnehmer
20 Nov 2018
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Dass die Gehälter steigen und damit die Gemeinkosten, ist ja klar. Was aber unverständlich ist, ist die fehlende Transparenz bei der Kalkulation:

Wenn kürzlich ein Vertrag auf 24 Monate abgeschlossen worden ist, darf der Kunde eigentlich davon ausgehen, dass der Anbieter aufgrund von Erfahrungswerten (und aufgrund der EU-weit geltenden Preisstabilität über das maximale Inflationsziel von 2%) einen für 24 Monate stabil bleibenden Preis anzubieten imstande wäre. Die Inflationsanpassung innerhalb von 24 Monaten bei einer MVD von 24 Monaten halte ich für unstatthaft, weil die Anpassungsklausel für den durchschnittlichen Konsumenten wohl überraschend ist. Gerade dann, wenn er unmittelbar vor der Anpassung den Vertrag mit dem Anbieter geschlossen hat. Hier hat auch der Mobilfunker Kenntnis und Erfahrungswerte betreffend die Marktentwicklung, sodass er dem Kunden gegenüber einen Informationsvorsprung hat.

Ich denke, dass hier daher sogar vorvertragliche Aufklärungspflichten hinsichtlich der Preisprognose bestehen, denn Aufklärungspflichten bestehen ja immer dann, wenn die Information im Interesse des Vertragspartners liegt, und er sich nicht genau so gut darüber informieren könnte.
 

sergio_eristoff

Mobilfunk Teilnehmer
25 Mrz 2014
4.257
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Ich denke, dass hier daher sogar vorvertragliche Aufklärungspflichten hinsichtlich der Preisprognose bestehen, denn Aufklärungspflichten bestehen ja immer dann, wenn die Information im Interesse des Vertragspartners liegt, und er sich nicht genau so gut darüber informieren könnte.
Naja da würdest du auch die Servicepauschale sowie dessen Nutzen auch gegenüberstellen müssen. Genauso auch warum diese Indexiert gehört. Dazu müsste man auch hinterfragen warum bei manchen die Indexierung reicht bei der Servicepauschale und bei anderen nur ein höherer Preis, falls die Servicepauschale gerechtfertigt ist. Hart gesagt eine Diskriminierung.

Sind definitiv interessante Fragen ;)
 
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telephon

Mobilfunk Teilnehmer
20 Nov 2018
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Naja da würdest du auch die Servicepauschale sowie dessen Nutzen auch gegenüberstellen müssen. Genauso auch warum diese Indexiert gehört. Dazu müsste man auch hinterfragen warum bei manchen die Indexierung reicht bei der Servicepauschale und bei anderen nur ein höherer Preis, falls die Servicepauschale gerechtfertigt ist. Hart gesagt eine Diskriminierung.
Ich frage mich sowieso, wieso die AK sich dieses Themas nicht wieder einmal annimmt.
BTW: Da den Servicepauschalen an sich keine werthafte Gegenleistung besteht, und ich sie mit 0 annehme, können sie dort in der Theorie indexieren, was sie wollen. 0*x=0.

[OFFTOPIC]
Vermutlich tut sie es nicht, weil das Interesse des Konsumentenschutzes manchmal mit Arbeitnehmerinteressen kollidiert: Meine Vermutung: Wenn man nämlich den Anbietern großflächig „drüberfahren“ würde, würde wahrscheinlich auch bei den Lohnverhandlungen und Kollektivvertragsverhandlungen weniger rausschauen. Da würde sie den Gewerkschaften einen Strich durch die Rechnung machen. So kann sie darüber hinwegsehen und eben weiter mit „Gerechtigkeit #bleibtfürimmer“ Werbung machen...

Konsumentenschutz darf meiner Meinung nach nicht mit anderen anderen Interessen in einen Topf geworfen werden, weil da wegen Interessenskollisionen nie etwas Gutes dabei herauskommen kann.