Das 5G New Radio (NR) Netz von A1 im Test

Anfang 2020 hat der Mobilfunknetzbetreiber A1 sein 5G-Mobilfunknetz in Betrieb genommen. Die LTEForum Redaktion testet Österreichs größtes 5G Netz mit dem neuen ZTE Axon 10 Pro 5G:

1. Das Smartphone: ZTE Axon 10 Pro 5G

Das 5G New Radio (NR) Netz von A1 im Test
ZTE Axon 10 Pro 5G

Das 5G-fähige Android Smartphone stellt den günstigsten Einstieg in die „New Radio“-5G-Welt dar und ist gleichzeitig recht leistungsstark. Als CPU dient der schnelle Qualcomm Snapdragon 855, gepaart mit 8 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Datenspeicher, der dank microSD noch erweiterbar ist. Das 6,47″ große Display mit 1.080 x 2.340 Pixel erreicht eine gute Pixeldichte von 398 ppi. Beeindruckend ist auch die Hauptkamera auf der Rückseite, die mit 48 Megapixel auflöst.

Unser Fokus liegt aber natürlich auf dem Mobilfunkchip. Das im Qualcomm Snapdragon 855 integrierte Modem ist für den Empfang von 2G, 3G und 4G verantwortlich und unterstützt alle in Österreich relevanten LTE-Frequenzbänder. Für den 5G (New Radio) Empfang steht mit dem Qualcomm Snapdragon X50 ein eigenes 5G-Modem zur Verfügung. Die Aufgaben teilen sich die beiden Chips. Das Umschalten zwischen den Modems merkt der Smartphone-Nutzer, außer an einem etwas höheren Akkuverbrauch, in der Praxis nicht. Künftige Smartphone sollen mit nur einem Modem (von 2G bis 5G) auskommen.

Das 5G New Radio (NR) Netz von A1 im Test
Die 5G-Einstellungen

Die integrierten 5G-Antennen ermöglichen die Kommunikation über die beiden 5G Bänder n41 (2.500 MHz) und n78 (3.500 MHz), wobei in Österreich derzeit nur Band n78 relevant ist. Für die kommenden 5G-Frequenzen 700 MHz, 1.500 MHz und 2.100 MHz, welche in Kürze zur Versteigerung kommen, ist das ZTE Axon 10 Pro 5G leider nicht gerüstet. Ein Schicksal, dass sich leider die meisten aktuellen Smartphones teilen. Selbst Samsung’s aktuelle 5G-Varianten vom Galaxy S10 und Note 10 sind in dieser Hinsicht nicht viel zukunftssicher. Erst die kommenden Galaxy S20 Generation soll mehrere Bänder unterstützen.

Derzeit wird für den 5G-Verbindungsaufbau auch noch zwingend eine LTE-Verbindung benötigt, da sowohl Smartphones als auch Mobilfunknetze noch im so genannten Non Standalone (NSA) Modus arbeiten. Bewegt man sich von Sender zu Sender muss die 5G-Verbindung neu aufgebaut werden, was jedoch sehr schnell und im Hintergrund passiert. Mit der künftigen Einführung des Standalone (SA) Modus soll dies dann der Vergangenheit angehören.

2. Das 5G Netz von A1

A1 hat mit 350 Basisstationen das mit Abstand größte 5G Netz in Österreich. Allein in Wien befinden sich rund 40x 5G-Sender, womit Teile von Wien, aber natürlich nicht ganz Wien abgedeckt sind. Ob man selbst in einem Gebiet mit 5G-Versorgung wohnt, kann man leicht mit einer Abfrage unter www.a1.net überprüfen. Ein Blick auf die rot gekennzeichneten 5G-Gebiete lässt schnell Hoffnung aufkommen. Diese roten Flächen sind nach dem Ausstrahlradius der 5G-Sender berechnet, was auch per se nicht falsch ist.

Das 5G New Radio (NR) Netz von A1 im Test
Verbindung über empfangsstärkeren Server und nicht immer über jenen mit 5G. Grafik: LTEForum.at

Jedoch zeigte sich in unserem Praxistest ein Problem, welches uns in manchen Situationen trotzdem daran gehindert hat in den Genuss des 5G Empfangs zu kommen. Denn praktisch alle Smartphones sind darauf programmiert sich automatisch mit dem stärksten (sprich meist den örtlich nächsten) Sender zu verbinden. Dadurch kann es vorkommen, dass man sich zwar grundsätzlich in einem mit 5G versorgten Gebiet befindet, das Smartphone sich aber mit einem näheren und somit empfangsstärkeren Sender verbindet. Unterstützt nun der örtlich nähere Sender noch kein 5G, verbindet sich das Smartphone max. mit 4G/LTE.

Experten ist dieses Phänomen bekannt: Der derzeitige Lösungsansatz liegt in einem raschen und intelligenten Ausbau bestimmter Sender/Gebiete. Ab einer bestimmten kritischen Masse wird sich das Problem lösen und die praktische 5G-Verfügbarkeit sprunghaft ansteigen. Einzig stationär einsetzbare 5G-Modems bzw. 5G-Router könnte man auch jetzt schon gezielt auf einen Sender ausrichten und somit das Problem umgehen.

Sobald 5G einmal im Standalone SA-Modus operiert, wird sich dieses Problem von selbst lösen. Sobald 5G nicht mehr nur als ein „Addon“ zu 4G/LTE behandelt wird, sondern eine eigene unabhängige Netztechnologie, können auch Smartphones bewusste Entscheidungen über die Verbindungsart treffen. So könnten es z.B. Sinn machen trotz etwas schlechtere Empfangswerte mit einem 5G-Masten verbunden zu bleiben, wenn der empfangsstärkere Mast nur max. 4G unterstützt.

All das hilft uns aber heute noch nicht und so war die 5G-Verfügbarkeit in der Praxis doch noch etwas enttäuschend. Auch wenn man A1 den deutlich besseren Ausbau gegenüber den Mitbewerbern hoch anrechnen muss, die Praxiserfahrung wird technologiebedingt beschränkt. Ein Blick auf die Netzabdeckungskarte verrät vielleicht, ob es in der Nähe grundsätzlich einen 5G-Sender gibt, jedoch nicht, ob man sich das Smartphone in der Praxis auch damit verbinden würde. Und somit ist die tatsächliche 5G-Verfügbarkeit geringer als erwartet.

3. Unsere Testergebnisse

Sobald man jedoch einmal im 5G-Netz verbunden ist, sind neue Speed-Rekorde keine Seltenheit. Dies sieht man recht schön beim direkten Vergleich im 4G-only Modus. In Summe haben wir dutzende Speedtests an verschiedenen Standorten in Wien durchgeführt, welche zwar keine objektive Aussage erlauben, aber einen ersten Eindruck vermitteln können.

LTEForum Speedtest 4G Netz 5G Netz Veränderung
Ping 13 ms 14 ms + 8%
Download 202 Mbit/s 359 Mbit/s + 78%
Upload 60 Mbit/s 35 Mbit/s – 41%

Tabelle: Durchschnittswerte aus mehreren dutzenden Einzelmessungen in ganz Wien. 

Das 5G New Radio (NR) Netz von A1 im Test
Test-Rekord: 911 Mbit/s Download

Während der Ping fast unverändert und mit 1ms Abweichung innerhalb einer normalen Messdifferenz liegt, zeigt sich der Vorteil von 5G im Download. Im Durchschnitt präsentierte der 5G-Modus des Testgeräts rund 78% mehr Bandbreite.

Überraschend jedoch das schlechtere Abschneiden des Uploads. Der Grund liegt daran, dass bei einer aktiven 5G-Verbindung derzeit auch nur 5G für den Upload verwendet wird, wobei das 5G-Netz scheinbar mehr auf einen schnelleren Download ausgerichtet ist. Auf Rückfrage hat A1 jedoch bestätigt, dass schon bald ein Software-Update für die 5G-Basisstationen kommen soll, welche es ermöglicht für den Upload die 4G- und 5G-Verbindungen zu aggregieren. Dies würde verhindern, dass der Upload unter 5G schlechter ausfällt als unter 4G-only:

Mit dem nächsten Software Upgrade von Nokia wird die Kombination von LTE und 5G Uplink unterstützt, dann erwarten wir einen höheren Durchsatz. – A1 Telekom Austria

Anmerkung: Die für die Speedtests verwendete Hardware und SIM-Karte (mit ungedrosseltem Speed) wurde uns von A1 zur Verfügung gestellt und wird nach dem Test wieder retourniert. Der Standort bzw. Zeitpunkt der Messungen wurden dem Anbieter nicht vorab angekündigt und fanden rein zufällig statt. Jede Messung (4G und 5G) wurde pro Standort 3x wiederholt und der jeweilige Durchschnittswert hergenommen. Pro Standort lagen somit 6 Messungen (3x 4G und 3x 5G) vor. Die Messstandorte verteilten sich über ganz Wien und fanden in den unterschiedlichen Bezirken statt.

4. Die 5G-Tarife von A1

Derzeit benötigt man für die Nutzung des 5G-Netzes einen freigegebenen Tarif. Die Grundgebühr der 5G-Tarife erscheint am ersten Blick vielleicht „teuer“. Der günstigste 5G Smartphonetarif von A1 startet ab 64,90 Euro pro Monat. Verglichen mit typischen Tarifen von Mobilfunkdiskontern (zwischen 10 und 15 Euro) alles andere als günstig.

Jedoch sollte das nicht überraschend sein, die Gründe dafür liegen auf der Hand:

  • Die Lizenzkosten für die Frequenzauktion wollen zurückverdient werden
  • Es müssen neue Investitionen in den 5G-Ausbau getätigt werden
  • 5G Endgeräte (Smartphones/Modems) sind teuer und wollen stärker subventioniert werden

Wenn man sich bewusst macht, dass ein von A1 kostenlos angebotenes ZTE Axon 10 Pro am freien Markt kaum unter 700 Euro zu bekommen ist, wird klar, dass allein rund 30 Euro der Grundgebühr für die Handy-Subventionierung reserviert sein dürfte. Die hohen Preise werden aber vermutlich lange so bleiben. Wenn uns aber die Einführung bisheriger Mobilfunkgenerationen (3G UMTS, 3.5G HSDPA, 4G LTE) eines gelernt hat, dass neue Technologien und Mobilfunkstandards mit der Zeit günstiger werden.

Wer heute einen Mobilfunkvertrag mit 24 Monate Vertragsbindung abschließt, sollte auch an die Zukunft denken. Während 5G heute primär nur für Early Adopter relevant sein dürfte, könnte das in 24 Monaten schon ganz anders aussehen. In den nächsten 2 Jahren werden die Endgeräte im Preis fallen und der Netzausbau wird vorangeschritten sein. Alle Netzbetreiber haben sich bei der letzten Frequenzauktion verpflichtet ein vertraglich festgelegtes Minimum an 5G-Senderstationen zu betreiben.

Dementsprechend sollte bei Vertragsabschluss jeder für sich selbst entscheiden, ob er heute schon die Weichen für 5G stellt oder die nächsten 24 Monate mit 4G/LTE auskommen wird. Sonst bleibt nur mehr der Weg über einen kostenpflichtigen Tarifwechsel.

5. Fazit

Es ist keine große Überraschung, dass 5G in Österreich im Moment vor allem für technologiebegeisterte Early Adopter interessant ist. Beeindruckend ist der Downloadspeed auf jeden Fall! Dort wo es 5G gibt, war das Netz bei unseren Tests sehr schnell. Womit wir auch schon beim Problem sind. Selbst dort wo es das Netz laut Netzabdeckungskarte zwar theoretisch gibt, ist noch immer nicht garantiert, dass sich das Smartphone auch damit verbindet. Das Resultat ist, dass die praktische Netzabdeckung bei unserem Praxistest noch recht ernüchternd ausfiel.

Natürlich wird sich das in Zukunft bessern. Das garantiert alleine schon die Ausbauverpflichtung. 5G ist also ein Zukunftsthema. Doch wenn man sich heute ein Smartphone zulegt und einen 24 Monate Mobilfunkvertrag abschließt, steht man gleichzeitig vor der Entscheidung, ob man in den nächsten 2 Jahren 5G nutzen möchte? Und genau diese Frage ist im Moment sehr schwer zu beantworten. Denn selbst, wenn man diese Frage mit Ja beantwortet ist die nächste Herausforderung, dass viele der derzeit erhältlichen Smartphones (ZTE Axon 10 Pro, Samsung Galaxy S10 und Note 10, usw.) zwar das aktuelle n78 Frequenzband unterstützen, nicht aber die im Rahmen der Multiband-Auktion 2020 in Kürze zur Versteigerung kommenden Frequenzbänder. Spätestens dann bräuchte man für die optimale Nutzung wieder ein neues Smartphone.

Daher können wir 5G derzeit (Stand: Februar 2020) nur Early Adopter empfehlen oder jenen Kunden, die ohnehin auf der Suche nach einem Mobilfunktarif mit unlimitierten Datenvolumen sind. Bei diesen Tarifen fällt der Aufpreis auf 5G nicht mehr so drastisch ins Gewicht. Da kann man unter dem Motto Zukunftssicherheit ruhig zu einem 5G-Tarif greifen.

Eines hat unser Praxistest aber gezeigt: 5G hat viel Potenzial und steht erst ganz am Anfang (Netzausbau, Non-Standalone und Frequenzunterstützung der Smartphones). Mit der Geschwindigkeit in der A1 derzeit sein 5G-Netz ausbaut, kann unser Fazit zu Jahresende schon ganz anders ausfallen. Es wird ein spannendes Jahr!

Zusammengefasst:

  • 5G ist derzeit vor allem für Technologie-begeisterte Early Adopter relevant
  • Wer jedoch heute einen 24 Monate Vertrag abschließt, sollte an die Zukunft denken. Binnen der nächsten 24 Monate müssen alle österreichischen Anbieter den Auktionsauflagen gerecht werden und den 5G-Ausbau vorantreiben.
  • Theoretische und praktische Netzabdeckung unterscheidet sich derzeit noch.
  • Berücksichtigt man die eingerechnete Subventionierung der teuren 5G Smartphones, sind die Tarife am zweiten Blick für A1 Verhältnisse vielleicht gar nicht so schlecht
  • Der 5G Download kann verdammt schnell sein
5 April 2016
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Zuerst einmal: vielen Dank für diesen wirklich informativen Artikel.
Eine Anmerkungen zum Pricing bzw. dem Angebot von A1:
der erwähnte "günstigste" Preis von €65/Monat enthält leider nicht die Kosten der Jahreszahlung von €27, womit sich der Tarif auf fast €68 verteuert. Und selbst das nur für Kunden, die auch A1 Internet nutzen, alle anderen zahlen weitere €10 mehr - da sind wir schon bei knapp €78/Monat Mindestpreis. Und welche Geschwindigkeit darf man sich für das nicht gerade wenige Geld erwarten?
"Bis zu " 100Mbit/s. Selbst das teuerste Paket bietet lediglich "bis zu" 300Mbit/s. Dafür brauche ich doch kein 5G.
 
26 März 2014
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4.019
Danke für den Test.

Gibts noch Informationen wie es mit dem 5G Empfang so ausschau also ob Indoor überhaupt Empfang möglich ist oder nur beim Fenster? Danke.
 

Redaktion

LTEForum Redaktion
1 September 2018
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616
Gibts noch Informationen wie es mit dem 5G Empfang so ausschau also ob Indoor überhaupt Empfang möglich ist oder nur beim Fenster? Danke.

Ich konnte leider nur an einem Standort einen direkten A-/B-Test zwischen Outdoor und Indoor (Neubau-Wohnhaus) machen. Während LTE fast gleich blieb, gingen die 5G Werte ca. 15% zurück (Durchschnitt aus jeweils 3 Messungen). Aber das war nur eine Bestandsaufnahme, würde ich jetzt nicht generalisieren. Grundsätzlich gilt je höher die Frequenz desto schlechter der Indoor-Empfang. Daran wird vermutlich auch 5G nicht viel ändern können.
 
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Reaktionen: ricardo und maultier
22 März 2014
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Die 1ms (ECHTZEIT!!!!) die von den Werbebuden beworben wird ist nur die Latenz zwischen Masten und Handy. Ob das auch wirklich erreicht wird hängt von der Konfiguration ab. Auch mit LTE ist diese Der Rest bleibt natürlich unverändert, wurde hier im Forum schon öfter so gesagt, ist den Mobilfunkern aber egal.
 
22 März 2014
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Die 1ms (ECHTZEIT!!!!) die von den Werbebuden beworben wird ist nur die Latenz zwischen Masten und Handy. Ob das auch wirklich erreicht wird hängt von der Konfiguration ab. Auch mit LTE ist diese Der Rest bleibt natürlich unverändert, wurde hier im Forum schon öfter so gesagt, ist den Mobilfunkern aber egal.

Das ist schon klar. Wenns aber als Vorteil beworben wird, sollte die Latenzzeit insgesamt ja im ein paar ms geringer sein - das ist hier offenbar nicht der Fall (bei 5G ists sogar eine ms mehr im konkreten Test).